Samstag, 25. Mai 2013

Warmes Leben in kaltem Wasser: Robben im Zoo Zürich

"Robben sind Bioindikatoren und charakteristische Bewohner nordischer Meere. An das nasse Element hervorragend angepasst, haben sie doch Elemente ihrer Abstammung von Landraubtieren bewahrt. Die Führung gibt vertieften Einblick in das Leben und Verhalten der Robben."

Führung im Rahmen der Vorlesung "Zwischen Feuer und Eis - Islands Tierwelt" von Prof. em. Dr. Ewald Isenbügel (Zoo-, Heim-, Wildtiermedizin, Universität Zürich) am Donnerstag, 13. Juni, 17.30-19h. Treffpunkt: Eingang Zoo. Informationen zur Vorlesung am 6. Juni und zur Führung: http://www.volkshochschule-zuerich.ch

"Herd of Seals, near the Devil's Thumb, Baffin Sea, Greenland." Verkleinerter Holzstich aus "The Arctic World illustrated", London ca. 1880

Sonntag, 19. Mai 2013

Jost auf Disko (Teil 1). Zwei Expeditionen des Berners Wilhelm Jost auf der westgrönländischen Insel Disko vor hundert Jahren, von Stefan Kern

Die Atmosphäre auf der Arktischen Station in Godhavn muss anfangs Mai 1913 von konzentrierter Emsigkeit geprägt gewesen sein: Eine Expedition wurde vorbereitet. Kocher und Petrol, das Zelt und die schweren Schlafsäcke aus Rentierfell, Kleider, Messgeräte und Gewehre mussten bereitgestellt und revidiert werden. Einige Frauen Godhavns nähten vielleicht auch an Kamikern und Fäustlingen. In doppelter Ausführung mussten solche mitgenommen werden. Denn ging nur etwa ein Handschuh verloren, konnte eine solche Bagatelle ohne einen Ersatz üble Folgen haben.

Mit Jagderfolg war kaum zu rechnen. Auf der Insel gab es nur wenige Rentiere. Proviant für mindestens zwei Wochen musste also auch mitgenommen werden. Für die Hunde war das wohl getrockneter oder gefrorener Fisch. Für die Zweibeiner, Vater Morten Petersen Porsild, sein Sohn Thorbjörn und Wilhelm Jost, vermutlich Pemmikan und Speck. Ziemlich sicher Hafer, vielleicht auch Teigwaren. Sicher kamen dänische oder sogar Lenzburger Konserven "zum Einsatz". Honig, Kaffee und Schokolade sowieso.

Der Botaniker Magista Porsild hatte die im Süden der Insel gelegene Station im Jahr 1906 gegründet. Seit Herbst 1912 beherbergten er und seine Frau Johanne drei Gäste aus Europa: Die beiden Schweizer Physiker Paul-Louis Mercanton und Wilhelm Jost sowie den deutschen Meteorologen August Stolberg. Stolberg war ein "alter Grönland-Hase": Das erste Mal hielt er sich 1907 in Grönland auf. Und zwei Jahre später begleitete er, zusammen mit Emil Baebler, Alfred de Quervain auf seinem ersten, 26 Tage dauernden Vorstoss auf das Inlandeis.

Dieses Trio bildete die sogenannte West- oder Überwinterungsgruppe: Im Sommer hatte es der vierköpfigen Crew mit dem Leiter Alfred de Quervain durch die Seracs auf das Inlandeis geholfen. Während de Quervain und seine Leute  die 650 Kilometer entfernte Ostküste ansteuerten - und ihnen damit die zweite Inlandeis-Überquerung des gigantischen Eisschildes nach Nansen gelingen sollte -, kehrten die drei Männer und die einheimischen Helfer zur Westküste zurück. Den Sommer hindurch stellten sie dort glaziologische Untersuchungen an und zogen dann für die Überwinterung auf die Arktische Station um.

Im Vordergrund rechts Wilhelm Jost. In der Mitte August Stolberg, links Paul-Louis Mercanton.
Hinter ihnen zwei einheimische Helfer und Führer.   






















Bereits 1908 hatte Porsild Gäste aus der Schweiz: Die Botaniker Martin Rikli und Hans Bachmann. Sie waren vermutlich die ersten Schweizer Besucher Grönlands. Ein Jahr später kamen Alfred de Quervain und der Geologe Arnold Heim auch zu Besuch.

Welche Motive den 30jährigen Berner Bauernsohn und Absolventen des Lehrerseminars Hofwil zu seinem anderthalbjährigen Aufenthalt auf Grönland bewegten, ist nicht bekannt. Während seines Studiums am Physikalischen Institut der Universität Bern, das er nach seiner Lehrerausbildung aufgenommen hatte, war er Mitglied des Akademischen Alpenclubs Bern und der Sektion Bern des Schweizerischen Alpenclubs geworden. So steht immerhin fest, dass Jost unternehmungslustig war.

Am 7. Mai fuhren Porsild, Sohn Thorbjörn und Jost mit den Schlitten nach Norden los. Von März bis Mai ist Hochsaison für Schlittenexpeditionen; das Meereis ist dann noch nicht aufgebrochen und die Nächte sind hell. Inwieweit das Innere der Insel bereits vermessen war, ihnen gedruckte Karten zur Verfügung standen, ist unklar. Handskizzen besass Porsild vermutlich, und aus mündlichen Beschreibungen kannte er wohl die alten Schlittenrouten und wichtige topographische Merkmale.

Dänische Seekarte aus dem Jahr 1888. Lediglich die Küstengebiete der Insel sind kartographiert, das Innere scheint komplett vergletschert zu sein. Aus: Martin Rikli und Arnold Heim: Sommerfahrten in Grönland. Frauenfeld 1911.


















Das nach Norden führende Blasedalen und sein Pass auf etwa 300 Metern Höhe konnten sie wohl in einem Tag nehmen (siehe Karte unten). Noch ein weiterer Pass von gleicher Höhe lag auf dem Weg in ihr erstes Untersuchungsgebiet.

Jost darüber: "Der Haupttalgletscher war damals ein zusammenhängender Eisstrom von mindestens fünfundzwanzig Kilometer Länge, der das ganze Tal einnahm bis zur Ebene des Quanerssuit. Auf dem Gletschereise lag eine Schneeschicht von fünfzehn Zentimeter, die bis zur Isaks Varde (Punkt 2) bis auf fast einen Meter anstieg. Nachdem wir gegen fünf Uhr früh am westlichen Gletscherrande ungefähr bei Punkt 106 der heutigen Karten unsern Zeltplatz bezogen hatten, konnten wir diese eigentümlichen Verhältnisse näher untersuchen (Punkt 1). Es handelte sich um eine typische Gletscherüberschiebung. Der aus dem mächtigen Felsentor des Sorte Huk heraustretende östliche Seitengletscher hatte sich auf den Haupttalgletscher hinaufgeschoben. Auf dem Gletscher waren alte Seeterrassen mit feinen Schuttablagerungen noch sehr gut erhalten. Damit aber waren die Überraschungen dieser Landschaft keineswegs erschöpft. An diesen Seeboden schloss sich eine wenigstens anderhalb Kilometer lange Eisschlucht an, die am Haupttalgletscher schräg aufwärts von Südwesten nach Nordosten von Rand zu Rand durchsägte [sic]. Diese Eiscanõn war im Mittel etwa sechzig Meter breit, die senkrechten Eiswände zehn bis dreissig Meter hoch."

"Heutige Karte? - Die Zitate stammen aus dem Aufsatz Gletscherschwankungen auf der Insel Disco in Westgrönland, den Jost fast drei Jahrzehnte später in der Zeitschrift für Gletscherkunde veröffentlichte. Inzwischen war die Insel nämlich vollständig kartographiert worden, in den Jahren von 1931 bis 1933. Jost verglich darauf seine eigenen Beobachtungen mit den zwanzig Jahre später gemachten Aufnahmen der Karte. Zuvor hatte er sich vergewissert: "Über die Genauigkeit der Karte teilte mir das Geodätische Institut in Kopenhagen mit, 'dass die zugrunde liegenden Messungen auf jeder Stufe eine solche Genauigkeit haben, dass in der fertigen Karte die gewöhnliche Kartengenauigkeit (0,2-0,3 mm) eingehalten ist'."

Die Ergebnisse seiner Untersuchung zusammenfassend: "Die angeführten Tatsachen zeigen, dass manche Gletscher der Insel Disco in Westgrönland schon im Jahre 1913 deutlich Zeichen eines Rückganges aufgewiesen haben und dass dieser Gletscherrückgang in den zwei Jahrzehnten von 1913-1933 ein erhebliches Ausmass erlangt hat. Die stärksten Rückgänge treten bei Gletschern auf, deren Zungen bis in geringere Meereshöhen hinunterreichen und nicht sehr grosse und ergiebige Nährgebiete aufweisen. Das Verschwinden eines Eisschildes auf etwa 1200 m Meereshöhe weist darauf hin, dass selbst in dieser relativ grossen Höhe Eisschwund eingetreten ist."


Nach dem Zwischenhalt im Quanerssuit-Tal zogen sie weiter nach Norden, auf den riesigen Gletscher auf über 1'000 Meter Höhe (Punkt 2 der Karte).

"Auf diesem Hochlandeise haben wir im letzten Mai an manchem schönen Tage gearbeitet und die tiefe Todesstille auf uns einwirken lassen, die eine derartige Landschaft auf die menschliche Seele ausübt", schrieb Jost in seinem ersten Bericht für den Akademischen Alpenclub Bern, den er 1919 unter dem Titel  Augusttage an der Westküste der Discoinsel publizierte.

Im 1941 veröffentlichten Bericht geht er ausführlicher darauf ein: "Am Gletscher, der von Isaks Varde in westlicher Richtung nach dem Stordal abfliesst, war schon im Mai 1913 auf lange Strecke hin eine wohl zwanzig Meter höher gelegene Ufermoräne erkennbar. Das Gletscherende lief flach gegen einen weiten ebenen Boden von mehr als einem Kilometer Länge aus. Dieser vom Gletscher nicht bedeckte Boden wurde am Rande durch eine riesige, quer zum Teil verlaufende Stirnmoräne, die gewaltigste, die ich in Grönland gesehen habe, abgedämmt. Auf Isaks Varde wurde an einem Föhntage um 9 a. m. eine Temperatur von + 3.4 Grad C abgelesen, die allerdings bis 11.45 p.m. wieder auf -13.0 Grad C und später auf -17.8 Grad C herunterfiel."

Und in einer Fussnote: "An hellen Tagen war die Strahlung bedeutend. Ich fand in einer Höhe von 400 m ü./M. ein Polster blühender Saxifraga grönlandica zu einer Zeit, da in Godhavn am offenen Meer noch keine Spur von einer Neubelebung der Vegetation zu bemerken war."

Nach zwei Wochen kehrten Porsild, Thorbjörn und Jost zur Arktischen Station in Godhavn zurück. Ob sie bis zur Küste im Nordosten fuhren (Punkt 3), ist unklar  (von Jost ist kein Reisetagebuch überliefert; ob von Porsild Aufzeichnungen erhalten sind, wäre noch zu prüfen).

Arnold Heim untersuchte dieses Gebiet im Auftrag der Grönlandsk Minedrifts A.-G. schon im Jahr 1909 im Hinblick auf Steinkohlevorkommen und Graphitlagerstätten. Später, in den Jahren von 1924 bis 1972, wurde in Qullissat Steinkohle abgebaut, über 1'500 Menschen lebten in der Siedlung. Heute gleicht sie einer Geisterstadt. Seine alpinistischen Fähigkeiten spielte Jost im Sommer 1913 aus:

"Wie die Felsen lockten! Es war ja erster August, und da sollte ein Schweizer etwas Rechtes tun!" In den Bergen an der Südküste des im Nordwesten der Insel gelegenen Nordfjords unternahm er eine 27stündige Alleinbegehung. Die Rekonstruktion der zweiten Expedition erscheint deshalb am 1. August 2013. Auf der Umrundung der Insel auf dem Schiff Clio borealis mit Morten Porsild, Sohn Thorbjörn und Wilhelm Jost, nahm noch ein weiterer Gast teil. Jahre später wurde er zu einem der Protagonisten der Polarforschung auf Jahrzehnte.

Die Fortsetzung von Jost auf Disko wurde am 31.7.2013 veröffentlicht. Link

Donnerstag, 9. Mai 2013

Walsaison, von Linus Reichlin

Auf den Färöern ist die Grindwaljagd der Höhepunkt des Jahres. Tierschutz und Tradition prallen dabei aufeinander. Die Arbeit des in Berlin lebenden Autors ist im Mai-Heft der Zeitschrift "Reportagen" www.reportagen.com erschienen. Die Zwischentitel der Reportage: "Tod eines Kalmars", "Grindweibchen", "Grindaformadur", "Der dritte Ort", "Sushi", "Feinde", "Ökonomie und Cadmium" sowie "Gemeinsamkeiten".

Und hier eine eigene Reminiszenz dazu: Ein Fleischgestell in Siorapaluk ("Schöner Strand") in NW-Grönland. Am Horizont die Herbert- und Northumberland-Inseln. Abends sah ich manchmal meine Nachbarin auf den Boden klettern, um sich ein Stück Fleisch abzuschneiden. Am Samstag bekamen jeweils auch die Hunde davon.

Fleischgestell in Siorapaluk (NW-Grönland). Stefan Kern/Polararchiv 2007



























Sonntag, 28. April 2013

Opas Eisberg, von Stephan Orths. Ein neues Ego-Dokument zur schweizerischen Grönland-Expedition 1912/13, Rezension von Stefan Kern

Roderich Fick war Teilnehmer der zweiten Überquerung des Inlandeises. Der Sohn eines Augenarztes aus Deutschland wächst in Zürich auf. 1908 erfährt er von den Plänen einer Expedition Alfred de Quervains. Dieser lehnt die Bewerbung Ficks ab. Der eher ziellose, künstlerisch begabte Architekturstudent setzt darauf alle Hebel in Bewegung, um trotzdem an einer Expedition teilnehmen zu können. Vergeblich bewirbt er sich auch bei Wilhelm Filchner in Berlin für eine Antarktis-Reise. Eine geplante Expedition zum Nordpol von Ferdinand Graf von Zeppelin kommt auch nicht zustande. Roderich Fick reist darauf für ein Semester nach Dresden. Er besucht dort Seminare über Astronomie, Meteorologie und Vermessungskunde. Zusammen mit Freund Karl Gaule bewirbt er sich erneut bei Alfred de Quervain. Und werden angenommen.

Vor ungefähr zwei Jahren fiepst das Telefon: Der Enkel von Fick und Redaktor beim Spiegel hat erfahren, dass ich über de Quervain arbeite. Er besitze das Expeditions-Tagebuch seines Grossvaters. Das könne eine interessante Quelle sein, eine Ergänzung zum bereits bekannten Material, antworte ich. Er wolle das Tagebuch veröffentlichen und werde sich melden, wenn er mal in Zürich sei - Eine Geschichte aus zwei Perspektiven dargestellt; mit einer gewissen Spannung hat man auf die Publikation gewartet.  

Jetzt liegt das 270seitige Buch Stephan Orths vor. Was hat es mit dem Eisberg des Opas auf sich, fragt sich der Leser beim Titel. Wie geht "Ahnenforschung im Eis"? - so wirbt der Verlag für das Buch. Im Gepäck das Tagebuch des späteren "Leibarchitekten" Hitlers, reist die Familie Orth im Sommer 2011 an die ostgrönländische Küste. Schon über die Reisevorbereitungen erfährt man viel. Der Ficks-Bjerg wird bestiegen. Im Sermilik-Fjord, da sind auch der Gaule- und der Hössli-Bjerg auf Karten zu finden, benannt nach den Namen der beiden anderen Begleiter de Quervains.

Im Jahr darauf bricht Orth mit drei Kameraden unter Leitung Wilfried Korths erneut zur Ostküste auf. Im August soll auf der umgekehrten Route das Eis überquert werden. Der Adept hat sich vorher in Tschechien und auf der Hardangervidda auf das Leben unter borealen Verhältnissen vorbereitet. Auch darüber erfährt man recht viel Persönliches. Das Abenteuer in Grönland endet nach ein paar Tagen: Zwei der Pulkas weisen vom Durchhieven durch die vielen Schmelzwassergräben Schäden auf. Alles, selbst das Laptop, sind in doppelter Ausführung mitgenommen worden. Pulkas nicht. Demokratisch wird die Entscheidung getroffen, die Expedition an die Westküste abzublasen. Wenigstens die Abstiegsroute von de Quervain und seiner Crew soll jetzt noch nachvollzogen werden.

Zeltplatz Nr. 29 wird erreicht. Dort, am Rand des Inlandeises, errichtete die Crew um Alfred de Quervain am 21. Juli 1912 das letzte "offizielle" Lager. Der Geodät Wilfried Korth muss nach 100 Jahren mit dem GPS feststellen, dass das Niveau des Platzes 70 Meter tiefer liegt. Korth hat das Inlandeis auf der historischen Route schon zweimal aus eigener Kraft überschritten; um die Ablation auf den Grundlagen von 1912 zu messen.

Die Rückseite des Schutzumschlags verspricht das "Expeditionstagebuch". Doch im Buch ist es nicht integral abgedruckt. Nur den Anfang der Aufzeichnungen hat Roderich Fick in Grönland selbst verfasst, erfährt der Leser in der zweiten Hälfte des Buches. Die weiteren Einträge wurden nach der Rückkehr im Herbst 1913 und später, während seines Kolonialdienstes in Afrika, geschrieben. Im Buch sind einige ausdrucksstarke Bleistiftzeichnungen Ficks abgedruckt.

Dass Alfred de Quervain autokratische Züge hatte, davon berichtete er selbst. Von den beiden Jüngeren, Gaule und Fick, sollen de Quervain und Hössli offenbar als von "die junge Lüt" gesprochen haben! In einem Brief vom Dezember 1912 bringt Gaule gegenüber Freund Fick Enttäuschung und Polemik über "Q." zum Ausdruck. Das ist in die Kategorie des "Expeditions-Katers" einzuordnen - Ein Phänomen, mit dem schon viele Expeditionsteilnehmer Bekanntschaft machten.

Die ausführlichen biographischen Angaben zu Karl Granville Gaule sind dem Rezensenten neu. Während des Krieges wurde er zur Königlich Preussischen Flugzeugmeisterei berufen. "Flugzeugmeisterei"! Später war er als Privatdozent für Flugzeugbau an der Technischen Hochschule in Danzig tätig. Wie Hans Hössli auch, starb Gaule relativ jung, im Jahr 1922.

Wie ein "unentschlossener Schnurrbart" aussieht, oder, welches Idiom eigentlich mit "Schwyzerdütsch" gemeint ist, oder, dass ein enthusiastischer junger Mann über den Namen "Fick" ins Ventilieren gerät, das sind Details, die man dem Autor nachsehen mag. Man fragt sich nur, ob der Malik-Verlag - mit seiner stolzen Vergangenheit - noch ein Lektorat hat: Es würde solche Mängel beheben und das Buch nicht so geschwätzig und anrührend werden lassen.

Verlagsseite http://www.piper.de/buecher/opas-eisberg-isbn-978-3-89029-432-2

Freitag, 12. April 2013

Olymp-Karte und Tourenführer: Zum Werk des Alpinisten Marcel Kurz.

Mittagsreferat von Dr. Alexa Renggli, Handschriftenabteilung der ZB Zürich, am 4. Juni 2013, 12.15 Uhr im Lesesaal Musikabteilung im Predigerchor. Zentralbibliothek Zürich, Predigerchor 33, 8001 Zürich.

Der Topograf, Alpinist und Expeditionsbergsteiger Marcel Kurz (1887-1967) verfasste u.a. die erste Übersichtsdarstellung über das Bergsteigen von Schweizern in ausseralpinen Gebieten. Unter dem Titel "Fremde Berge - ferne Ziele. Das Werk schweizerischer Forscher und Bergsteiger im Ausland" erschien sie 1948 als dritter Band der von der Schweizerischen Stiftung für Alpine Forschungen herausgegebenen Schriftenreihe "Berge der Welt".

Neben dem Kaukasus, dem Himalaya, dem Fernen Osten, den Rocky Mountains, der Anden-Kordillere und Afrika ist auch Grönland ein Kapitel gewidmet. Der Band enthält zudem biographisches Material, so u.a. über Alfred de Quervain, Paul-Louis Mercanton und Edouard Wyss-Dunant.

Das Referat und weitere Veranstaltungen finden im Rahmen der Ausstellung "Bergwelten. Die Zentralbibliotek des Schweizer Alpen-Club" statt. Zentralbibliothek Zürich: 25. April bis 7. September 2013. Flyer zur Ausstellung http://www.zb.uzh.ch/ausstellungen/mam/ausstellung_9341/rz_flyer_bergwelten_oschnittmarken.pdf

Schweizerische Stiftung für Alpine Forschung www.alpinfo.ch

Dienstag, 9. April 2013

"Ausgezeichnete Früchte auf Hasen-Insel." (Alfred G. Nathorst an Oswald Heer)


„Lieber hochgeehrter Freund! Vorgestern Abend spät trafen wir hier wieder ein. Reisen heute nach Gothenburg wo wir den 24. oder 25. an­kommen werden. Obschon ich nur etwa 4 Wochen, theilweise unter sehr ungünstigen Witterungsverhältnissen beim Waggatt zubringen konnte habe ich doch sehr umfassende Sammlungen (9 grosse Tonnen, 1/4 Tonne, 5 Kisten) von Pflanzenversteinerungen mitgebracht. Bei Atanekerdluk habe ich verschiedene Horizonte durch die ganze Schlucht entdeckt. Alles gehört zu den Ataneschichten, auf welchen die tertiären Lager hier diskordant liegen. Werde von Schweden ausführlicher schreiben. Ausgezeichnete Früchte auf Hasen-Insel. Nordenskiöld wanderte 130 Kilom. mit Schlit­ten, wurde dann durch loosen Schnee gehindert. Die Lappländer wanderten darauf noch 230 Kilom. bis 7000 Fuss  ü.M. Alles Schnee. Haben Kap York und Ost-Grönland auch besucht. Ihr A.G. Nathorst" (Burga 2013, S. 136/137)

So erstattete der schwedische Geologe und Paläobotaniker Nathorst dem Schweizer Naturforscher Oswald Heer (1809-1883) Bericht über die Ergebnisse einer Grönland-Expedition. Geleitet worden war sie von Adolf Erik Nordenskjöld. Nordenskjöld war es wenige Jahre zuvor mit der Vega gelungen, die Nord-Ost-Passage zu befahren. Nathorst gab die Postkarte nach seiner Rückkehr am 22. September 1883 in Thurso (Schottland) auf. Sie erreichte Heer zu Lebzeiten jedoch nicht mehr. Fünf Tage später verstarb er im Kreis seiner Familie in Lausanne.

Heer gilt als einer der Begründer der Paläontologie der Pflanzen und Insekten des Tertiärs sowie als Pionier der Pflanzengeographie der Schweizer Alpen. 1865 schrieb er einem Kollegen: "Es ist in letzter Zeit wieder der Gedanke in mir aufgetaucht, womöglich eine fossile Flora der arktischen und subarktischen Zone zusammenzustellen und zu publizieren". 

Drei Jahre später begann sein monumentales Werk beim Verleger Schulthess in Zürich zu erscheinen: die "Flora fossilis arctica". Insgesamt sieben Bände erschienen bis 1883. Illustriert waren sie mit 400 grossformatigen Lithographien. Unter seiner Aufsicht waren sie von Spezialisten auf Stein gezeichnet worden.

Zwanzig Jahre seines Lebens beschäftigte sich der an der Universität Zürich und an der schweizerischen polytechnischen Schule (heute ETH) Lehrende mit diesem Thema. Kistenweise erhielt er arktische und subarktische Fossilien aus Museumssammlungen nach Zürich zugesandt.

Pflanzenfossilien von Spitzbergen (Svalbard). Nachlass des Botanikers Hans Hartmann (1926-2010)  


















Wie "vernetzt" Heer war, von wem die Fossilien gesammelt wurden und woher sie stammten, zeigt folgende Übersicht. Sie findet sich in dem 1885 und 1887 erschienenen "Lebensbild" des Forschers, das mehrere hundert Seiten umfasst.

Aus: C. Schröter: Oswald Heer. Zürich 1887, S. 260-267

"Many as have been the wonderful discoveries in Geology during the last half century, I think none have exceeded in interest your results with respect to the plants which formerly existed in the Arctic regions", so Charles Darwin 1875 in einem Brief an Heer.

Auch mit Louis Agassiz und Alexander von Humboldt korrespondierte der Naturforscher. Der Biogeograf und Herausgeber der ersten modernen Würdigung dieses Wissenschafters, Conradin A. Burga, hat insgesamt 650 Briefpartner ermittelt. An einem stilvollen Anlass wurde kürzlich das Erscheinen des opulent ausgestatteten Werks in der Zentralbibliothek Zürich gefeiert.

Oswald Heer 1809-1883. Paläobotaniker, Entomologe, Gründerpersönlichkeit. Conradin A. Burga (Hrsg.). Unter Mitarbeit von Urs B. Leu und mit Beiträgen von René Hantke, Stefan Ungricht, Milena Pika-Biolzi, Franziska Schmid, Rolf Rutishauser, Annette Bouheiry, Stefanie Jacomet und Angela Merz. Zürich: Verlag Neue Zürcher Zeitung, 2013. 512 Seiten, 167 Illustrationen. CHF 58.



Montag, 8. April 2013

Konrad Steffen: Polare Eisschilder und Meeresspiegel - wie sieht unsere Zukunft aus?

Einführungsvorlesung Prof. Dr. Konrad Steffen. Eidgenössische Technische Hochschule Zürich, Departement Umweltsystemwissenschaften.

Mittwoch, 10. April 2013, 17.15 Uhr. ETH Zürich, Rämistrasse 101, Hauptgebäude, F 30 (Auditorium Maximum).


Unter dem Titel "Der Direktor, der aus der Kälte kommt" ist am 30.10.2012 in der Neuen Zürcher Zeitung ein Porträt über den Klimatologen und Direktor der Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) in Birmensdorf http://www.wsl.ch/ erschienen; ein weiteres am 30.3.2013 im Tages-Anzeiger.
Konrad Steffen forscht seit 1975 in der Arktis und der Antarktis.