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Mittwoch, 29. Januar 2014

Alfred und Gisela Andersch: "Sie macht etwas im Raum, ich in der Zeit." - Ausstellung im Museum Strauhof Zürich

Alfred Andersch war ein grosser und leidenschaftlicher Reisender: «Der Ort, den Alfred Andersch bei seinen Aufbrüchen in die Welt suchte, war die Wildnis, weil er nur dort sich allein und frei fühlen und an Gott und das Nichts denken konnte. (...) Der grösste Traum im Leben Anderschs galt einer Reise nach Spitzbergen.

Skandinavien hatte er früh kennengelernt, war 1953 mit Gisela Andersch durch Lappland, 1956 durch Schweden und 1961 durch Norwegen mit dem Rucksack gewandert, berauscht von der Fremde und der Einsamkeit, so dass er sich im Buch Wanderungen im Norden in Henry David Thoreaus Satz spiegelte: `In solchen Zeiten der Einsamkeit und des Fremdseins gedeih' ich wie das Maiskorn in der Nacht.‘“ (Christian Linder) Das Reisebuch Wanderungen im Norden, das 1963 erschien, lebt stark von den farbigen und zum Teil abstrakten Natur-Fotografien von Gisela Andersch, die zwischen die einzelnen Erzähltexte eingestreut wurden. Überhaupt hatte die Malerin das Medium der Fotografie mit ihrer neuen Rolleiflex (Mittelformat) neu für sich entdeckt, nachdem es vorher stets Alfred Andersch gewesen war, der mit seiner Leica-Kleinbildkamera - u.a. 1954 auf den Liparischen Inseln - fotografiert hatte.

Umschlag der Erstausgabe von 1969
1965 reisten die Anderschs im Auftrag des Deutschen Fernsehens nach Spitzbergen und in die Arktis, wo Alfred Andersch mit Martin Bosboom den Film Haakons Hosentaschen drehte. Das zweite Ergebnis dieser Reise war das Buch Hohe Breitengrade oder Nachrichten von der Grenze (1969). Auch dieses Mal nahm sich Andersch der «verluderten Gattung Reisebeschreibung an und statuierte ein Exempel.» (Manuel Gasser)

Seine eigenwilligen, naturwissenschaftlich immer exakten Schilderungen geleiten uns an die Grenze des Packeises. Er berichtet nicht nur Selbsterlebtes, er versucht auch den Geist der Polarforschung in Gestalten wie Nansen und Amundsen neu zu deuten, indem er ihre Erlebnisse, ihre Begegnungen mit diesem unberührten Teil der Welt schildert. Die Farbtafeln von Gisela Andersch setzen die mit Worten eingefangene Atmosphäre Spitzbergens in Bilder um, bestätigen den Bericht. Vor sogenannten Motiven klappte sie die Kamera «entmutigt und entschlossen zu, weil sie keine Ansichtskarten fotografieren wollte.» (Aus dem Begleittext zur Ausstellung)

Die beiden Bücher "Wanderungen im Norden" und "Hohe Breitengrade" sind vergriffen. Sie lassen sich jedoch bei www.zvab.com antiquarisch beschaffen. Oder in Bibliotheken ausleihen.

Die Ausstellung ist noch bis zum 2. März 2014 zu sehen. Das Begleitprogramm und weitere Informationen finden Sie hier: http://www.stadt-zuerich.ch/content/kultur/de/index/institutionen/museum_strauhof/ausstellungen---programm-2013/alfred-und-gisela-andersch.html

Eine zeitgenössische Rezension des Buchs "Hohe Breitengrade" ist unter http://www.zeit.de/1969/48/zu-einem-misserfolg nachzulesen.

Montag, 27. Januar 2014

Autonomie zu teuer für Grönland

Unter diesem Titel war am Samstag, 25.1.2014 in der Nummer 20 der Neuen Zürcher Zeitung auf Seite 2 die folgende Meldung zu lesen:

(Associated Press) Eine wirtschaftliche Unabhängigkeit von Dänemark kann sich Grönland trotz seinen reichhaltigen Bodenschätzen derzeit nicht leisten. Das geht aus einem unabhängigen Expertenbericht hervor, der am Freitag veröffentlicht wurde. Die Mineralien- und Ölvorkommen vor der Küste könnten die Abhängigkeit der spärlich bevölkerten Insel von dänischen Zuschüssen verringern, sie aber nicht komplett wettmachen, teilte das Gremium aus 13 nordeuropäischen Akademikern mit, das den Bericht verfasst hat. Das halbautonome Grönland erhielt 2013 von Dänemark 3,3 Milliarden Kronen (545 Millionen Franken).

 Ilulissat 2007. Stefan Kern / Polararchiv Schweiz

Freitag, 24. Januar 2014

Beat Schweizer - "Диксон быт / An der Frostgrenze (Ausstellung im PhotoforumPasquArt, Biel)

Aus der Serie Dikson. Copyright Beat Schweizer


























„Birgt das Leben in der nördlichsten Stadt Sibiriens eine Anomalie? In Zusammenarbeit mit dem Berner Schriftsteller Urs Mannhart hat Beat Schweizer einen fotografischen Essay über Dikson, die ehemalige 'Hauptstadt der Arktis' und Überlebende des Untergangs der kommunistischen Welt verwirklicht.“ (PhotoforumPasquArt)

Vernissage: Samstag, 1. Februar 2014, 17 Uhr. Die Ausstellung dauert bis zum 20. April 2014.

Link zur Ausstellung: http://www.photoforumpasquart.ch/index.php?id=4&lang=de&eid=114
Beat Schweizer: http://www.beatschweizer.com/

Siehe in diesem Blog auch "Sozialismus tiefgekühlt." (12. November 2013)

Montag, 20. Januar 2014

Landschaften Islands und Grönlands in Aquarellmalerei (Ausstellung von Thomas Häberle)

"Mein Beruf ist Geographielehrer. Mit Spezialgebiet Geomorphologie habe ich mich mit den Formen verschiedenster Landschaft auseinandergesetzt. Im Jahre 1975 reise ich erstmals nach Island und war sehr berührt von dieser unglaublichen Insel unter dem Polarkreis. Immer wieder musste ich hinauf in den Norden, die Insel, ihre Landschaften und Menschen liessen mich nicht mehr los." (Thomas Häberle)


Abend am Eyjafjallajökull














Die Aquarelle sind ab Januar 2014 ein Jahr lang in den Räumen der Firmen Wanner AG Solothurn, GeoMIT GmbH und Wanner Expert GmbH an der Dornacherstrasse 29 in 4501 Solothurn ausgestellt. Für eine Besichtigung wird um eine Terminabsprache bei Herrn Piet Ouwehand (Wanner AG Solothurn, Telefon 032 625 75 75) gebeten.

Samstag, 11. Januar 2014

Greenland 100 years ago. Hand-colored photos from 1909 and 1912 (Neuerscheinung)

Als der der junge Geologe Arnold Heim (1882-1965) im Sommer 1909 nach Grönland reiste, um zusammen mit dem dänischen Geologen Jesper Peter Ravn (1866-1951) die Nuussuaq Halbinsel und den Uummannaq Fjord hautptsächlich auf Kohlevorkommen geologisch zu untersuchen, führte er auch eine Fotoausrüstung mit. Auf seiner Reise belichtete Heim mehr als 700 Glasplatten, die heute im Bildarchiv der ETH-Bibliothek in Zürich sowie im Arktischen Institut in Kopenhagen archiviert sind.

Anfang August 1909 traf Arnold Heim auch Alfred de Quervain (1879-1927) während einiger Tage. Zusammen mit Emil Baebler und August Stolberg hatte dieser im Juli einen dreiwöchigen Vorstoss auf das Inlandeis unternommen. Drei Jahre später gelang de Quervain dann zusammen mit drei Kameraden die Überquerung des Inlandeises von der West- zur Ostküste. Auch er führte eine Fotoausrüstung mit, zusätzlich machte er 1912 noch Filmaufnahmen.   

Der Däne Erik Torm, früher als Schulleiter und -Entwickler tätig und heute in kulturellen Projekten in Dänemark, der Slowakei und in Grönland engagiert, hat nun eine Auswahl der Aufnahmen von Heim und de Quervain zusammengestellt und sie in Buchform veröffentlicht. Die beiden Wissenschafter interessierten sich nämlich nicht nur für ihr eigenes Fach, sondern auch lebhaft für die Lebensweise der Grönländer. So zeigen zahlreiche ihrer Fotografien die Bekannten und Helfer, denen sie auf ihren langen Reisen begegnet sind. Den besonderen Reiz dieser Bilder macht aus, dass sie für Vortragszwecke nachträglich von einem Spezialisten von Hand koloriert wurden.

Neben einem Aufsatz in englischer und französischer Sprache über die drei Expeditionen aus der Hand Erik Torms sind dem Buch mit harten Deckeln und fadengehefteten Seiten auch Fotografien von ihm selbst beigegeben, die in den letzten drei Jahren entstanden sind. Diese zeigen jeweils genau den Ausschnitt einer Szenerie oder Landschaft vom Standort aus, wo Heim und de Quervain ihre Aufnahmen machten.

Verlegt wird dieses Buch und ein weiteres, das anlässlich der Wanderausstellung zum Hundertjahr-Jubiläum der Überquerung des Inlandeises durch Alfred de Quervain vor einem Jahr erschienen ist, vom Uummannaq Polar Institute. Dort ist auch die Kontaktadresse für den Bezug der beiden Bücher angegeben. Der Erlös aus den beiden Büchern kommt dem Kinderheim in Uummannaq zugut.

Uummannaq Polar Institute http://www.upi.gl/

Freitag, 10. Januar 2014

"Mit Schiffen durch das schmelzende Eis der Arktis" (Nordostpassage)

Yang Huigen, Direktor des chinesischen Polarinstituts prognostiziert, dass bis zum Jahr 2020 zwischen 5% und 15% aller chinesischen Exporte auf dem Weg durch die Nordostpassage nach Europa gelangen werden. Der Leiter der Dozentur für Militärökonomie der Militärakademie (MILAK) an der ETH Zürich PD Dr. Marcus Matthias Keupp und Ramon Schöb, der dort als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig ist, haben die ökonomischen, regulatorischen und technischen Rahmenbedingungen und Voraussetzungen untersucht, die sich den Reedereien stellen, wenn sie die Nordostpassage als Transportweg benutzen wollen.

Zwar ist die Nordostpassage um 30% kürzer als die südliche Route von Singapur durch den Suezkanal nach Hamburg, doch ist sie seit 2008 nur während etwa eines Monats vollständig eisfrei; befahrbar ist sie von Juli bis November. Bis Ende 2012 hatte jedes Handelsschiff zwingend einen Eisbrecher als Eskorte zu chartern. Sofern es die Eisverhältnisse zulassen, dürfen seit letztem Sommer auch Schiffe ohne Eisverstärkung diesen Seeweg befahren, die Eskortierung durch Eisbrecher bleibt für solche Schiffe jedoch obligatorisch.

In der Saison 2013 wurden 71 kommerzielle Fahrten gezählt, das Frachtvolumen betrug 1,35 Mio. t. Im Vergleich zum Suezkanal ist das noch wenig, denn dort passieren täglich 2,02 Mio. t Fracht. Ausführlich: Neue Zürcher Zeitung, 7. Januar 2014, S. 23.

Erstmals befahren wurde die Route von West' nach Ost' vom Schweden Adolf Erik Nordenskjöld (1832-1901) in den Jahren 1878 bis 1879. Eine neuere deutsche Ausgabe seines Reiseberichts ("Nordostwärts. Die erste Umsegelung Asiens und Europas 1878-1880." Stuttgart 1987) ist zwar vergriffen, lässt sich aber bequem beschaffen über www.zvab.com