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Mittwoch, 24. September 2014

"Children of the Arctic." Dokumentarfilm von Nick Brandestini

„Das Jagen und der Walfang gehören seit Generationen zur Kultur der Iñupiat, der indigenen Ureinwohner Alaskas. Doch das Erbe dieser Gemeinschaft ist gefährdet, denn der moderne Zeitgeist hat die junge Generation bereits eingeholt. Einerseits bleibt der Wunsch nach Tradition und Zusammengehörigkeit bestehen, andererseits ist das Bedürfnis nach Weiterbildung und Individualität geweckt. Der Film portraitiert fünf Teenager zwischen 14 und 18 Jahren auf ihrem Weg ins Erwachsenenleben.“ (Quelle: ZFF)

Der Dokumentarfilm wird am 10. Zurich Film Festival vom Fr. 26. Sept. bis Sa, 4. Okt. viermal gezeigt: http://zff.com/de/programm/filme/8948/children-of-the-arctic/

Teaser: http://vimeo.com/user12099797/review/104176204/8c8a756ef0

Genre: Gesellschaft & Mensch
Länge: 94 Min
Land, Jahr: Schweiz, 2014
Sprachen: Englisch, Iñupiaq
Untertitel: Deutsch
Drehbuch: Nick Brandestini, Taylor Segrest
Kamera: Nick Brandestini
Produzent: Vesna Eckert

Website: www.childrenofthearctic.com

Freitag, 19. September 2014

Peter Schmidt Mikkelsen: North-East Greenland 1908-60. The Trapper Era. Cambridge 2008.

Grönland ist die grösste Insel der Welt. Sie dehnt sich vom 59. bis zum 83. Breitengrad auf über 2‘650 Kilometern aus. Nur knapp 20 Prozent ihrer Fläche ist vom Eis nicht bedeckt. Bedingt durch den Nordatlantik- und den Golfstrom sind an der Westküste viel mehr Siedlungen entstanden, als an der Ostküste. Dort sind es nur zwei: Das etwas südlich des Polarkreises liegende Tassilaq (Ammassalik) sowie die ungefähr 600 Kilometer nördlich davon gelegene Siedlung Ittoqqortoormiit (Scoresbysund). Sie wurde 1925 auf Veranlassung der dänischen Kolonialverwaltung gegründet. Die Küstengewässer Ost-Grönlands wurden 1607 vom Seefahrer Henry Hudson erstmals erkundet. Vereinzelt auch von dänischen und holländischen Walfängern, als ihre Fanggründe in Spitzbergen und Jan Mayen zu versiegen begannen. Der Brite Douglas C. Clavering, Kapitän der Griper, überlieferte 1823 eine Begegnung mit zwölf Inuit in Nordost-Grönland. Sie endete dramatisch: Nachdem einer der weissen Männer einen Inuk dazu überredet hatte, eine Pistole abzuschiessen, floh die Gruppe. Sie gehörten einer Population an, die von Nordwest-Grönland, den Nordteil der Insel durchquerend, die Küste Ostgrönlands besiedelt hatte. Seit dieser Begegnung gilt sie als ausgestorben.

Die wissenschaftliche Erforschung Ost-Grönlands setzte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch deutsche, dänische und schwedische Expeditionen ein. Im 20. Jahrhundert prägte der Däne Lauge Koch sie jahrzehntelang. Geboren im Jahr 1892, verschrieb sich der promovierte Geologe der Erforschung Grönlands. Das Ziel seiner von ihm geleiteten Expeditionen in den Jahren von 1926 bis 1958 war die geologische und topographische Untersuchung und Kartierung von Nordost-Grönland. Nur vom 2. Weltkrieg unterbrochen, wurden die Expeditionen grosszügig mit Mitteln und Personal ausgestattet. Die Wissenschafter untersuchten in kleinen, autonom operierenden Gruppen den Untergrund entlang der weitverzweigten Fjordsysteme und die zahlreichen Inseln. Am Ende des Sommers, nach sechs bis acht Wochen, zogen sie wieder ab. Zwischen 1932 und 1958 nahmen auch rund 80 Schweizer Wissenschafter an den Lauge-Koch-Expeditionen teil. Auf der Grundlage ihrer Forschungen entstanden zahlreiche Dissertationen, und oft war es auch der Beginn von steilen Karrieren. 

Station Eskimonæs im Winter 1938/39
So etwa die von Eduard Wenk und Augusto Gansser: Beide waren nach ihren Arbeiten in Grönland auf der ganzen Welt in der Rohstoffexploration tätig und erhielten später Lehrstühle für Geologie an den Universitäten von Basel und Zürich sowie an der ETH Zürich; Wenk wurde 1970 auch Rektor der Universität Basel. Oder der um eine Generation jüngere Erdhart Fränkl, der während der Sommer von 1948 bis 1953 in Nordost-Grönland arbeitete und auch einmal überwinterte. Danach war er in Südamerika und Afrika tätig; seine Karriere beendete er als Chefgeologe des Shell-Konzerns.Wichtigstes Ergebnis dieser Expeditionen war die im Jahr 1965 veröffentlichte geologische Karte Nordost-Grönlands. Der Basler John Haller kompilierte sie während eines Jahrzehnts aus den Ergebnissen Dutzender Untersuchungen. Haller wurde später Professor für Geologie an der Harvard University.

Die Habitués an der Küste Nordost-Grönlands waren jedoch dänische und norwegische Trapper. Sie stellten dem arktischen Fuchs sowie dem Eisbär nach. Für die Überwinterung errichteten sie Wohnstationen sowie knapp dreihundert Hütten, die sie für ein oder zwei Nächte während ihrer Reisen mit Hundeschlitten benutzten. Von Oktober bis etwa Ende Juni fuhren sie auf dem gefrorenen Meer regelmässig ihre Routen entlang der Küste ab. Dabei legten sie mit Strychnin versetzte Köder aus und kontrollierten die aus Treibholz erbauten und mit Steinen beschwerten Fallen. Die Füchse wurden darin, ihr Fell schonend, erschlagen. Meistens boten die temporär genutzten Unterkünfte nur gerade Platz für einen auf ein paar Holzplanken ausgerollten Schlafsack aus Rentierfell und für einen gusseisernen Ofen.

Für die norwegischen Seehund- und Walrossjäger waren bis Ende des 19. Jahrhunderts der Archipel Svalbard (Spitzbergen) und die Insel Jan Mayen die traditionell genutzten Fanggebiete. Als im Juli 1889 eine kleine Flotte erfolglos westlich von Svalbard kreuzte, entschloss sich der 31jährige Ragnvald Knudsen, die Hekla mit der 48köpfigen Mannschaft nach Ostgrönland zu dirigieren. Aufzeichnungen früherer Expeditionen hatte er entnommen, dass dort die Chancen für Beute gut sein könnten. Nach der Rückkehr des Schiffs am 28. August wurde in Hammerfest folgende Ladung gelöscht: 1‘000 Fässer mit Blubber, über 3‘500 Seehunde, das Fleisch von 267 Walrossen, 220 Kilogramm Elfenbein ihrer Hauer, neun Eisbärenfelle sowie das Fleisch und die Decken von 24 Moschusochsen. Diese Sensation verbreitete sich rasch. Bis ins Jahr 1931 suchten norwegische Fängerschiffe noch 124 Mal die Küste Nordost-Grönlands auf.

Fänger operierten von Schiffen aus. Waren die Verhältnisse gut, fuhren sie den Eiskanten entlang, um Jagd auf Robben und ihre Widersacher, die Eisbären, zu machen. Waren die Verhältnisse nicht gut, lavierten sie tage- oder wochenlang im Treibeis und im Nebel. Manchmal stiessen sie an Stränden auch auf schlafende Walrosse. Dann wurden zuerst diejenigen Tiere erschossen, welche der Strandlinie entlang lagen. So war den hinter ihnen liegenden Tiere die Flucht ins Meer verwehrt. Diese Methode erklärt die gelegentlich enorm hohen Zahlen erbeuteter Tiere. Magnus K. Giæver aus Tromsø begann anfangs des 20. Jahrhunderts für gutbetuchte Touristen Jagdsafaris nach Nordost-Grönland anzubieten. Die Idee wurde kopiert, doch mit dem Beginn des 1. Weltkriegs kam dieses Geschäft zum Erliegen. Für die Felle des arktischen Fuchses bestand damals ebenfalls eine Nachfrage. Vom Schiff aus konnte sie jedoch nicht gejagt werden. Eigner und eigens dafür gegründete dänische und norwegische Firmen begannen damit, im Sommer einzelne Jäger oder kleine Mannschaften an der Küste abzusetzen und Unterkünfte zu bauen. Die Bedeutung dieses Geschäfts ist bezifferbar: Zwischen 1908 und 1960 erbeuteten 527 Trapper etwa 20‘000 Füchse und 571 Eisbären.

Für gebildete Bürger in Mitteleuropa stand damals ausser Frage, dass Dänemark die Hegemonie über ganz Grönland ausübte. Schliesslich hatten die Dänen vor zweihundert Jahren damit begonnen, den Ureinwohnern den rechten Glauben zu vermitteln und Handel mit ihnen zu treiben; Zucker, Kaffee, Baumwollstoff, Holz und Waffen wurden gegen Felle eingetauscht. Für Norwegen war der Status Nordost-Grönlands jedoch nicht geklärt und mit der zunehmenden Nutzung dieses Gebiets spitzte sich diese Frage zu. Am 29. Juni 1931 hissten fünf Norweger im Namen ihres Königs Hakoon VII die norwegische Flagge in Myggbukta. Orchestriert von der Presse und Politikern, reklamierten sie ein Gebiet vom 71. bis zum 75. Breitengrad als „Eirik Raudes Land“. Die Regierung Dänemarks sah sich darauf herausgefordert und brachte den Fall vor den Ständigen Internationalen Gerichtshof in Den Haag. Nach Anhörungen und Beratungen entschied das Gericht im Frühjahr 1933, dass Dänemark die Herrschaft über ganz Grönland ausüben solle. Dänemark gelang dies jedoch nicht lange, denn nach dem deutschen Überfall im Frühjahr 1940 wurden praktisch alle Verbindungen nach Grönland unterbrochen. Der dänische Botschafter in den USA unterzeichnete in Washington ein Jahr danach ein Abkommen, das den USA die Verteidigung Grönlands und die Einrichtung von Luftwaffenstützpunkten erlaubten. Dem für die Herstellung von Aluminium benötigten Mineral Kyrolith, das an der westgrönländischen Küste abgebaut wurde, massen die Alliierten strategische Bedeutung zu.

Der Ostküste kam aus einem anderen Grund kriegsentscheidende Bedeutung zu: Mit den Wetterdaten von dort konnten Prognosen für den gesamten Nordatlantik erstellt werden. Um Versuche der Deutschen abzuwehren, mit Schiffen oder U-Booten Mannschaften dort abzusetzen und Wetterstationen einzurichten, wurde 1941 die Nordøstgrønlands Slædepatrulje gegründet. Sie setzte sich aus neun Dänen und einem Norweger zusammen: Trapper, die das mehr als tausend Kilometer lange Gebiet, das zu überwachen war, bestens kannten. Ausgerüstet und logistisch unterstützt wurden sie von den amerikanischen Streitkräften. Die Befürchtungen der Amerikaner bewahrheiteten sich kurze Zeit später, als deutsche Truppen sich dort einzunisten versuchten. Nach dem 2. Weltkrieg stillgelegt, wurde diese Fernspäh-Einheit 1950 von der dänischen Marine unter grösster Geheimhaltung erneut aktiviert. Seit 1953 unter dem Namen Slædepatruljen SIRIUS, geniesst diese Truppe mit eigener Hundezucht bis heute einen legendären Nimbus. Erich Schmidt Mikkelsen leistete Ende der Siebzigerjahre Dienst bei dieser Einheit.

In einführenden Kapiteln dokumentiert er die Entdeckungs, Erforschungs- und Wirtschafts-Geschichte Nordost-Grönlands. Statistiken weisen die wirtschaftliche Bedeutung auch quantitativ aus. Der Hauptteil der über 500 Seiten umfassenden, lesefreundlich zweispaltig gesetzten und in hervorragender Qualität gedruckten Monographie ist den Überwinterungs-Stationen der Trapper und Forscher gewidmet: Alabamahuset, Dødemandsbugten, Nordfjordhuset oder Zackenberg sind einige ihrer klingenden und sprechenden Namen.

Station Kulhus im Jahr 2004
In einem weiteren Kapitel sind sämtliche Bauten systematisch beschrieben: Koordinaten, ihr Name, durch wen und wann sie erbaut wurden, die genaue topographische Lage und der bauliche Zustand, Grundmasse und Einrichtung. Stets ist auch der Kontext ihrer Erbauung und Nutzung erfasst. Aktuelle Innen- und Aussenaufnahmen der Hütten und ihrer Umgebung, ergänzen dieses denkmalpflegerische Inventar. Einige alte Materialdepots und Relikte bergbaulicher Unternehmungen sind in einem weiteren Abschnitt dokumentiert. Das Buch schliesst ab mit einem Abkürzungsverzeichnis, mit einem Wörterbuch topographischer Begriffe in Dänisch und Norwegisch und ihrer Übersetzung ins Englische, Verzeichnissen der verwendeten Literatur, der Quellen sowie der Belegstellen. Den gezielten Zugriff auf den Inhalt ermöglichen mehrere Register sowie vier Karten, auf denen die Stationen und Hütten sowie die dänischen und norwegischen Territorien eingezeichnet sind.

Im Sommer 1989 unternahm Schmidt Mikkelsen mit Freunden eine Kajakexpedition von Daneborg, einem Stützpunkt der Sirius-Patrouille, nach dem etwa 260 Kilometer südlicher gelegenen Mestersvig, einer aufgelassenen Bleimine. Während den Vorbereitungen begann er in Büchern danach zu forschen, durch wen und wann die Hütten erbaut worden waren, denen sie auf ihrer Reise begegnen würden. Von seinen früheren Reisen waren sie ihm zwar vertraut, doch wusste er kaum etwas über ihre Geschichte. Neben den zahlreichen Zeltplätzen der Ureinwohner sind es die einzigen Spuren menschlicher Tätig-keit in den immensen Landschafträumen. Nach seiner Rückkehr weitete er seine Nachforschungen auf dänische und norwegische Archive aus. Dort wertete er Archivalien, Tage- und Logbücher aus und begann Kontakte zu ehemaligen Trappern und anderen Oldtimern in Dänemark und Norwegen zu knüpfen, die „dort oben“ gelebt hatten. Bei der ersten Kontaktnahme am Telefon fielen ihre Reaktionen oft identisch aus: “Nordost-Grönland? Ja, dort verbrachte ich die besten Jahre meines Lebens.“ Mit fünf weiteren dänischen Nordost-Grönland-Enthusiasten gründete Schmidt Mikkelsen 1991 die Non-Profit-Organisation Nanok. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Wissen um Nordost-Grönland und seine Kulturgeschichte bekannt zu machen und einen Beitrag zur Erhaltung der vom Zerfall bedrohten Bauten zu leisten. Seither restaurieren jeden Sommer ehrenamtlich tätige Teilnehmer diese Bauten. Finanziell unterstützt werden sie dabei von der im Natur- und Tierschutz tätigen Stiftung Aage V. Jensens Fonde.

Die Ergebnisse der Recherchen Peter Schmidt Mikkelsens wurden erstmals 1994 in Dänemark veröffentlicht. Weil das Buch eine gute Aufnahme fand, erschien es überarbeitet 2001 erneut. Mit Unterstützung der grönländischen Selbstverwaltung wurden durch 20 Nanok-Mitarbeiter zwischen 2003 und 2007 die Daten aller Bauten systematisch erhoben und fotografisch dokumentiert. Sie sind in die 2008 erschienene englische Ausgabe aufgenommen worden. Reisende können daraus auch einen ganz praktischen Nutzen ziehen: Zu jeder Hütte sind die mit einem GPS ermittelten Koordinaten angegeben.

Um Arbeit als Trapper in Nordost-Grönland zu finden, waren offenbar keine speziellen Qualifikationen erforderlich. Manche der teilweise blutjungen Männer arbeiteten vorher als Gehilfen in Warenhäusern oder in Büros. Unternehmungslust, Mut und die Bereitschaft zu einem zwar weitgehend selbstbestimmten, aber einfachen Leben unter harschen Bedingungen, scheinen wichtiger gewesen zu sein. Nicht jedem behagte jedoch das einsame und raue Leben, denn manche traten nach ein, zwei Jahren die Heimreise an. Wer die Stationen im Winter bewohnte, geht jeweils im ersten Abschnitt zu den Darstellungen der Stationen hervor. Wollte man dort jedoch längere Zeit überleben, war Erfahrung eminent wichtig. Doch auch sie konnte versagen: Als der Norweger Gerhard „City“ Antonsen, der schon mehrere Male allein überwintert hatte, im Winter 1938/39 während eines Schneesturms routinemässig die Tür seiner Hütte im Granta Fjord mit dem Messer zusperren wollte, sprang es ihm ins Auge. Zur Tradition unter den Trappern war es geworden, sich um das Jahresende gegenseitig zu besuchen. Aus diesem Grund wurde der Schwerverletzte von dänischen Trappern entdeckt, worauf eine Rettungsaktion zwischen den Besatzungen zweier Stationen einsetzte.

Geologe Adolf Ernst Mittelholzer im Frühjahr 1939
Auf einer davon, Eskimonæs, lebten auch zwei Schweizer: Der promovierte Geologe Adolf Ernst Mittelholzer und sein Assistent Peter Bachmann; es waren die letzten Schweizer, die sich vor dem 2. Weltkrieg in Nordost-Grönland aufhielten. Antonsen überlebte und kehrte im Sommer darauf als wohlhabender Mann nach Oslo zurück. Dort unterzog er sich einer Operation und brachte darauf sein Geld „unter die Leute“. Erst 45 Jahre alt, wurde sein Leben an der Pazifikküste, wo er als Holzfäller arbeitete, 1945 von einem Baum ausgelöscht.

Drei Frauen arbeiteten auch als Trapper. „Das ist das Ende aller Rekordfänge“ rief ein Trapper aus, als er hörte, dass die 28jährige Petra Winther im Jahr 1939 zu ihrem Mann auf die Station Hoelsbu gezogen war. Tatsächlich fielen die Fänge höchst unterschiedlich aus. Im Rekordwinter 1937/38 erbeuteten norwegische Trapper gut 2‘000 Füchse. Auf den Fotos, viele davon aus privater Hand, sind etwa die Strecken mit schneeweissen Fellen zu sehen, die an Leinen zum Trocknen vor den Stationen aufgehängt sind. Auf einem anderen posieren zwei Trapper vergnügt vor der Kamera; in ihrer Mitte ist ein Apparat zur Herstellung von Brantvin aufgebaut.

„Der Raum ist wichtiger als die Zeit.“ Dieses Diktum des deutschen Geographen und Begründers der Geopolitik Karl Haushofer stellte Fernand Braudel an den Anfang seiner Vorlesung über Geohistorie, die er in einem deutschen Gefangenenlager für Offiziere in Lübeck im Jahr 1941 hielt. Während einer relativ kurzen Zeitspanne öffnete sich in Nordost-Grönland ein Fenster, wo sich eine bestimmte Art von Menschen an eine Umgebung mit spezifischen Bedingungen anpasste. Sie fanden dort ein wirtschaftliches Auskommen. Ein soziales Netz wurde gesponnen und eine eigene Kultur bildete sich heraus. Als um 1960 die Nachfrage nach Fuchsfellen zurückging, zogen die Trapper von dort weg. Mit dem 1974 deklarierten Nationalpark – der nur unter strengen Auflagen der Behörden betreten werden darf – schloss sich dieses Fenster ganz. Denkbar ist, dass es in der Zukunft erneut aufgestossen wird. Im Grund der Grönlandsee werden grosse Erdölreserven vermutet. Die Nachfrage nach Rohstoffen ist gross, und wertvolle Erze werden auch im Untergrund des „sechsten Kontinents“ vermutet. Auf der Agenda der beiden Regierungschefinnen Grönlands und Dänemarks steht die Frage, ob in Grönland Uran abgebaut werden darf oder nicht: Die Verfassung Dänemarks verbietet dies, das Parlament Grönlands stimmte dem Abbau im vergangenen Herbst zu.

Assistent Ernst Bachmann im Frühjahr 1939
Links
Das Buch kann für £ 45 beim Scott Polar Research Institute in Cambridge bezogen werden  http://www.spri.cam.ac.uk/shop/books/arcticexploration.html oder auch bei Nanok. Dort sind auch die jährlichen Rechenschaftsberichte veröffentlicht http://www.xsirius.dk/nanok.html

Literatur
Braudel, Fernand: Geschichte als Schlüssel zur Welt. Vorlesungen in deutscher Kriegsgefangenschaft 1941. Herausgegeben von Peter Schöttler. Stuttgart 2013.  

Abbildungsnachweis
1. Station Eskimonaes. Sie wurde im März 1943 vom deutschen Marinewetterdienst niedergebrannt und das Gelände zwei Monate später vom US Army Air Corps bombardiert. Nachlass Adolf Ernst Mittelholzer. Kontaktabzug auf Barytpapier (ca. 55 x 55 mm). Polararchiv Schweiz. - 2. Station Kulhus. Aufnahme im besprochenen Buch auf Seite 351. Copyright: North-East Greenland Company Nanok. - 3. Geologe Adolf Ernst Mittelholzer im Frühjahr 1939. Nachlass Adolf Ernst Mittelholzer. Kontaktabzug auf Barytpapier (ca. 55 x 55 mm). Polararchiv Schweiz. - 4. Assistent Ernst Bachmann im Frühjahr 1939. Nachlass Adolf Ernst Mittelholzer. Kontaktabzug auf Barytpapier (ca. 55 x 55 mm). Polararchiv Schweiz.