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Donnerstag, 7. März 2019

Prix de Quervain 2019: Ausschreibung

The "Prix de Quervain" for Polar and High Altitude Research is attributed to young scientists for outstanding achievements in their MA or PhD thesis or other research projects. The "Prix de Quervain" is announced annually, and funded by the Swiss Committee on Polar and High Altitude Research SKPH, the Commission for the for Research Station on Jungfraujoch SKJF and the Swiss Foundation for Alpine Research. In 2019, the call is open in the field of natural sciences concerning high altitude research.
At the occasion of the "Prix de Quervain", a symposium featuring renowned speakers takes place every autumn. The author of the awarded MA or PhD thesis or research project will be given the occasion to present his or her research results during this event to an interdisciplinary public.

The announcement letter featuring the details concerning the participation and the inscription form are available in German and French. (Swiss Committee on Polar and High Altitude Research. A Committee of the Swiss Academies of Arts and Sciences)

Sonntag, 3. März 2019

Alfred de Quervain (1879-1927), Nachruf von Leonhard Ragaz

Die retrospektive Digitalisierung der vielfältigen Periodika der Schweiz, die seit Jahren als ein Gemeinschaftswerk von Schweizer Bibliotheken unter der Ägide der ETH-Bibliothek betrieben wird (e-periodica), entreisst Texte dem Vergessen. An dieser Stelle sei ein erhellendes und eindrückliches Dokument wiedergegeben.

Zwei Tage nach dem Tod Alfred de Quervains, am 15. Januar 1927, wandte sich der Theologe Leonhard Ragaz (1868-1945), der sich nach Ruedi Brassel-Moser gegen marxistische und staatszentrierte Ansätze wandte und einen föderalistischen, genossenschaftlichen und pazifistischen Sozialismus vertrat (vgl. HLS) mit folgenden Worten an die Trauergemeinde:

Verehrte Versammlung! [1]
Ich bin gebeten worden, im Namen der Freunde und der Freundschaft an dieser Feier ein Wort zu sagen, und wer wollte sich einem solchen Auftrag entziehen? War doch der Verstorbene in dem überquellenden Reichtum seines Wesens auf seltene Weise ein Freund! Denn wenn man mit der Vorstellung eines Gelehrten sonst gern etwa die der Abstraktheit verbindet, so war er ein durch und durch persönlicher Mensch, ein Mensch, der selbst das Leben in seiner Fülle und Mannigfaltigkeit sehr persönlich und mit stärkster Kraft des Gefühls, ja mit Leidenschaft erlebte und davon tief und heftig ergriffen wurde, aber deswegen sich nicht in seiner Subjektivität vergrub und verzehrte, sondern die gleiche Kraft, ja Leidenschaft des Gefühls dem Wesen und Erleben Anderer als Anteilnahme, und zwar nicht nur des Gefühls, sondern auch des Willens und der Tat, zuwendete. Dabei lebte in der, wie wir wissen, für den oberflächlichen Blick manchmal etwas rauh erscheinenden Schale seines Wesens der süsse Kern einer sehr grossen, ja aussergewöhnlichen Zartheit des Herzens und adeligen Feinheit des Empfindens. Trotzdem er selbst eine so grosse Eigenart besass – eine Eigenart, knorrig wie eine Arve der Hochalpen – mit dem Mut, ihr zu gehorchen, vielmehr wohl gerade darum, wusste er auch die Eigenart Anderer zu verstehen und gelten zu lassen, wie denn ein sehr seltenes Mass von Gerechtigkeit zu den Hauptzügen seines Wesens gehörte. Er liess sich durch allerlei Schwächen und Fehler seiner Freunde nicht von ihnen abbringen, zum mindesten nicht, so lange er keinen Grund hatte, an ihrer Ehrlichkeit zu zweifeln. Wo es galt, für einen Freund mit Einsatz seiner selbst etwas zu tun, da liess er sich nicht erst bitten. Denn Ritterlichkeit, dieses in der heutigen Welt fast mythisch gewordene Charakteristikum einer adeligen Natur, war wieder ein Hauptzug seines Wesens. Und da er selbst das Menschenlos so tief und reich und, was damit fast gleichbedeutend ist, in vielen Schmerzen erlebte, konnte er den Freunden diejenige Gabe geben, die fast das Kostbarste ist, was der Mensch vom Menschen empfangen kann: tiefes und zartes, gütiges und freies Verständnis. Darum ist das Leben für seine näheren Freunde um vieles dunkler, kälter und ärmer geworden dadurch, dass er nicht mehr unter uns ist. Es ist eine Quelle der Wärme, des Lichtes und Lebens für sie irdisch versiegt.

Aber all das, verehrte Versammlung, was der verstorbene Freund uns, seinen Freunden, zugewendet hat, das hat er Allen geschenkt, hat er der Welt geschenkt. Denn der Mann, dessen gutes Auge nun geschlossen und dessen heisses Herz gebrochen ist, war im tiefsten und umfassendsten Sinne des Wortes ein Freund der Menschen und ein Freund der Welt. Auch ihnen hat er die ganze Gefühlskraft, ja Leidenschaft seines reichen Herzens zugewendet. Es gab nichts Menschliches, das ihn nicht im tiefsten bewegte, das er nicht als das Seinige empfunden hätte. Auch darin war er so gar nicht das, was man sich mit Recht oder Unrecht unter einem Gelehrten vorzustellen pflegt. Trotz seinem grossen Verstand war doch keine Verstandeskälte in ihm, um gar von der Ueberheblichkeit und skeptischen Haltung eines gewissen Intellektualismus zu schweigen. Er war ein tief demütiger Mensch, ein trotz schwersten Ringens mit den Rätseln der Welt und des Lebens frommer Mensch. Aus dem heiligen Grund in ihm stammte die Fähigkeit, immer wieder mit Begeisterung zu erfassen, was recht, gut und schön war. Solche Art ist ewige Jugend und jugendlich war das Feuer, mit dem er immer wieder ergriff, was von Ansprüchen und Offenbarungen des Wahren und Guten an ihn herankam. Er war ein Mensch, vor allem ein Mensch. All seine grosse Gelehrsamkeit war gar nichts anderes als ein bescheidenes Organ seiner menschlichen Aufgabe. Nie fiel es ihm ein, dass er als ein Gelehrter von Weltnamen eitle Distanz zu wahren habe. Er war immer zuerst und vor allem Mensch, Mitmensch, Bürger, Schweizer, Glied der ganzen Menschenfamilie, und als solches fühlte er sich durch sein starkes und feines Gewissen verpflichtet, persönlich einzugreifen, wo es galt zu helfen, zur Wahrheit, zum Recht und zur Liebe zu stehen. Auch in diesen Teil seines Wirkens, den wir doch ja nicht als einen blossen Anhang, sondern als einen charakteristischen Hauptbestandteil seines Lebens betrachten wollen, trug er, verbunden mit der Menschen- und Weltfreundschaft seines grossen Herzens, jene zwei edlen Eigenschaften hinein, von denen ich geredet habe: Gerechtigkeit und Ritterlichkeit. Diese strenge und gütige Gerechtigkeit war bei ihm umso höher zu schätzen, als er eine leidenschaft1iche Natur war. Sie war eben nicht Naturgabe, sondern die Frucht tiefer Wahrhaftigkeit und – darf ich das fast veraltete und doch so edle Wort brauchen? – tiefer Gottesfurcht. Damit vereinigte sich die Ritterlichkeit zu einem edlen Bunde. Aus dieser mit der Gerechtigkeit verbundenen Ritterlichkeit heraus hat er im politischen, sozialen und allem Leben die Sache der Leidenden, Kämpfenden, Untenstehenden zu der seinigen gemacht. Das war auch wieder besonders ergreifend, für die, welche wussten, wie konservativ im guten und besten Sinne des Wortes er durch Natur, Erziehung und Herkunft war, wie sehr er an dem Bestehenden hing, soweit darin Gutes, Echtes und Heiliges enthalten ist. Wieder schlossen damit Elemente, die sonst nur getrennt zu finden sind, in ihm einen seltenen Bund, dessen häufigeres Vorkommen die Welt so viel schöner und erfreulicher gestalten würde.

Einen Zug muss ich hier ganz besonders hervorheben, nicht etwa bloss, weil er mir persönlich wichtig ist, sondern weil er wirklich am Bilde des Verewigten so stark hervortrat, dass man nicht davon schweigen darf: das· ist die Kraft, Leidenschaft und Treue, womit er die Sache des Friedens ergriffen hat. Es gibt gewiss nicht allzuviele, denen diese Sache so wie ihm – und seiner vielgetreuen Gattin, wie ich wohl hinzufügen darf – ein heiliges persönliches Anliegen geworden ist. Das Schicksal des Völkerbundes lag ihm als ein Stück dieser Sache innig am Herzen. Noch seine letzten Leidensjahre, wo bei fast allen andern Menschen der Egoismus des schweren persönlichen Geschickes allen Sinn für die allgemeinen menschlichen Angelegenheiten verschlungen hätte, erfüllte die heisse Herzensleidenschaft dieses Interesses für diese Sache des Friedens. Es war eine der letzten grösseren Freuden seines Lebens, als er mit Erlaubnis des Unternehmens, das ein von ihm selbst, in Gemeinschaft mit zwei Freunden, erfundenes, besonders feines Instrument zur Registrierung von Erdbeben herstellte, darauf in lateinischer Uebertragung die biblische Verheissung setzen durfte: "Et conflabunt gladios suos in vomeres et lanceas suas in falces." (Und sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spiesse zu Winzermessern.) Wahrlich, sein eigen Herz war auch ein solches Instrument, das mit wunderbarer Feinheit die Bewegungen empfand, die fern und nah durch die Seele der Menschenwelt zittern. Wie dankbar sind wir, dass dieses Herz wenigstens noch einige erste Verwirklichungen jener Verheissung als Bürgschaft für die ganze erleben durfte. In dieser zentralen Teilnahme an der Friedenssache, die jetzt ja der Brennpunkt des Ringens um Gott und den Menschen geworden ist, leuchtete das innerste Wesen dieses Freundes der Menschen und der Welt herrlich auf.

Aber es kam darin eben nur jenes Element zum Ausdruck, das die Seele seines ganzen Wirkens war. Er war nicht nur als Gelehrter nebenbei auch Mensch, sondern es gehörte zum Eigenartigen, Vorbildlichen und Seltenen seines Wesens, dass er gerade als Gelehrter Mensch war. Was ihn als Forscher im Tiefsten trieb, möchte ich wieder sagen, war seine Freundschaft zur Welt. Er erforschte die Welt mit Leidenschaft, weil er sie liebte. Die Liebe zu ihr trieb ihn auf unsere Berggipfel, die Liebe zu ihr in das Reich der Luft, der Wolken und Winde, die Liebe zu ihr in Grönlands ewiges Eis. Diese Liebe zur Welt floss aus der Liebe zu Gott, zu dem Gott, dessen Schöpfung ja für ihn die We1t war. Die Spuren seiner Hand, die Linien seines Weges suchte seine Seele, bewusst und unbewusst, auf ihren Forscherpfaden. Sein wissenschaftlicher Erkenntnisdurst war Durst nach Gott, dem lebendigen Gott, sein wissenschaftliches Arbeiten in seiner Leidenschaft ein geistiges Nachschaffen der Schöpfung Gottes. Und das ist ja doch wohl der tiefste Sinn aller Forschung. Aber diese Liebe zu Gott in seiner wissenschaftlichen Arbeit, dieser amor Dei intellectualis, wurde wieder Liebe zum Menschen. Er war als Gelehrter immer Mensch. Das bekannte Göthesche Wort, dass des Menschen eigentliches Studium doch immer der Mensch sei, erfuhr an ihm eine ungesuchte, wundervolle Verkörperung. Der Frage des Menschen ging er nach, wenn er Grönlands unberührte Gletschereinsamkeit erforschte, wie wenn er die Bahnen der Gestirne verfolgte, erschauernd im Gefühl der menschlichen Kleinheit ob der Unermesslichkeit von Raum und Zeit, die er wie wenige empfand, mit dem Problem ringend, wie sie mit einer grossen Bestimmung des Menschen vereinbar sei. Wenn er seine Grönlandsfahrt mit der grossen Darstellungs- und Erzählungsgabe, die ihm eignete, in seinen Reisebüchern beschrieb [1] oder vor einfachen Menschen in einem volkstümlichen Kurse mit ganz genialer pädagogischer Kunst die Wunder des Sternenhimmels enthüllte, immer war der Mensch das letzte Wart, immer brachte er Frucht für den Menschen, Brot für seine Seele, Licht für seine Bestimmung heim. So sol1 es ja auch sein, so wird die Wissenschaft eines Tages wieder viel mehr sein als jetzt. Niemand wird sagen können, dass bei unserem Freund ob dieser Art die Strenge der wissenschaftlichen Forschung gelitten hätte, vielmehr ist aus dieser Quelle ihre Fruchtbarkeit geflossen. Wohl aber war es ganz folgerichtig, wenn dieser Gelehrte, der vor allein Mensch war; in seiner Welt- und Menschenfreundschaft sich nicht bloss auf sein Fach beschränken konnte, sondern auch sein theoretisches Interesse der ganzen Fülle der Welt zuwenden musste. Er, der Naturforscher auf zum Teil besonders abstrakten Gebieten, liebte und kannte die Poesie, er liebte und kannte die griechischen und römischen Klassiker und las sie in der Ursprache. Selten fehlte es in seinen Briefen und Gesprächen an einem Zitat aus ihnen. Aber freilich, viel tiefer noch auf den heiligen Grund seines Wesens liess ein anderer Zug blicken: auf seinem Arbeitstisch lag zwischen Karten und Instrumenten stets das griechische Neue Testament.

Verehrte Versammlung! Ich hoffe, sie werden mir nicht zürnen, wenn ich meine Aufgabe etwas weiter gefasst und von dem Manne, dessen verklärtes Bild in dieser Stunde vor uns steht, aus der Fülle des schmerzbewegten und dankbaren Herzens geredet habe, nicht bloss wie er uns wenigen, sondern auch wie er Ihnen allen, wie er der Welt ein Freund war. Denn das ist, ich wiederhole es, etwas ganz Grosses und Seltenes, und davon können nur wir, die Freunde, die in die Tiefen dieses Lebens schauen durften, richtig reden; die andern haben es meistens zu wenig gesehen. Wir aber fühlen uns auch darum zum Reden gedrängt, weil dieses Leben, so reich es war und so schön, aus einem besonderen Grund doch auch so furchtbar schwer gewesen ist. Denn es muss gesagt werden, mit der Ehrlichkeit, die ihm selbst strengstes Gesetz war: Dieser Mann ist schwer verkannt worden, an diesem Manne hat man schwer gesündigt. Sein Wert als Gelehrter, Lehrer, Mensch hätte unter uns ganz anders zur Geltung kommen müssen, als das geschehen ist, und zwar zu seinen Lebzeiten, nicht erst an einer Trauerfeier über dem Grab, in das wir ihn zu früh gebracht. Wir haben diesem grossen Freund der Menschen und der Welt gegenüber eine schwere Schuld. Dieses grosse Herz ist auch darob, nicht zum mindesten darob, zart wie es war, so früh gebrochen. Freilich, es ist auch so früh gebrochen, weil es sich in seinem Feuer, seiner Liebe, seinem Durst nach Wahrheit und Gerechtigkeit verzehrt hat. Aber mindert das unsere Schuld? Haben wir es nicht gerade darum misshandelt und gebrochen, weil es ein so echt menschliches, brüderliches, freies, wahres, gutes Herz war? Denn solche Herzen sind stets unbequem, solche Herzen, die doch der einzige wirkliche Wert der Welt sind.

Wir stehen, verehrte Versammlung, vor einem Erdenlose voll schwerer Tragik. Schwer hat der Freund gelebt. Sein goldener Humor und köstlicher Witz strömte[n], wie dies ja fast immer der Fall ist, aus dunklen Tiefen. Schwer war sein Lebenslos und schwer ist sein Todeslos. Es scheint ein Leben, das nicht zu seinem Recht gekommen sei. Das hat uns in den letzten Jahren und mit verstärkter Wucht in den letzten Tagen oft stark bedrücken und verdüstern wollen. Aber nun, gerade da wir den ganzen Reichtum und die ganze Schönheit dieses allzu kurzen und allzu schweren Lebens bedenken, müssen wir doch sagen: es ist doch etwas Edles und Grosses gewesen, und seine Tragik, die Tragik seines Weges und seines frühen irdischen Endes, wird seine ewige Jugend sein. Was ihm an Erfolg und Gerechtigkeit vorenthalten worden ist, wird in seiner Nachwirkung, in dem zweiten, verklärten Wirken unter uns, überreich hinzugefügt werden. Zu diesem neuen Leben und Wirken unter uns wie über uns, du treuer, von Arbeit und Leid verzehrter, allzu müde gewordener Freund, unser Freund, wie der Welt und der Menschen Freund, schlafe wohl!
L. Ragaz.

Fussnoten
1 Wenn ich diese Rede, die ich an der akademischen Trauerfeier für den verstorbenen Freund, am 15. Januar dieses Jahres, in der Kirche von Fluntern in Zürich gehalten, in den "Neuen Wegen" veröffentliche, so geschieht dies, damit ich auch auf diese Weise ein wenig mithelfen könne, Gerechtigkeit für einen Mann zu schaffen, an dem in der Schweiz, speziell in Zürich, auf eine Weise, die ans Unbegreifliche grenzte, Unrecht getan worden ist. Wiederholt hat man ihn bei der Besetzung von Lehrstellen übergangen, für die er einzigartig berufen war. Er ist nach zwanzigjähriger Lehrtätigkeit an beiden Hochschulen als Privatdozent gestorben; freilich mit dem Titel eines Professors, aber nur dem Titel! Ueber die Gründe, die jeweilen die massgebenden Personen und Kreise zu diesem Verhalten bewogen haben, wollen wir lieber schweigen; sie sind ja nicht allzu schwer zu erraten. Wer mit akademischen Verhältnissen vertraut ist, weiss, was eine solche Zurücksetzung zu bedeuten hat. Sie bedeutet in jeder Beziehung eine Verstümmelung des Lebens. Dass dieses Schicksal an der Zürcher Hochschule auch andere hatten und haben, ist ein geringer Trost. Wir haben gegenüber diesem Manne eine schwere Schuld abzutragen undii müssen, als "Mitarbeiter Gottes", jeder das Seine tun, damit dieses Leben über das Grab hinaus zu der Wirkung gelange, die es verdient.

1 [2] Vgl. Alfred de Quervain: "Quer durchs Grönlandeis", "Durch Grönlands Eiswüste". Beides sind populäre Bücher, wundervoll erquickende und belehrende, die wissenschaftlichen Ergebnisse sind anderwärts niedergelegt.

Ragaz, Leonhard: Alfred de Quervain, in: Neue Wege. Beiträge zu Religion und Sozialismus, 21(1927), S. 70-75. Hervorhebungen wie im Original. Link

Abbildungsnachweis
Mercanton, Paul-Louis: Alfred de Quervain. In memoriam, in: Les variations périodiques des glaciers des alpes suisses. Rapports annuels, rédigé par Paul-Louis Mercanton, 47. rapport, 1926, S. 167-169. Bern, Tafel 1.

Zur Biographie Alfred de Quervains.

Freitag, 1. Februar 2019

Workshop on social sciences and humanities in Polar regions (18 February, at the Muséum d’Histoire Naturelle Neuchâtel)

SPI is organizing a workshop on Sciences and Humanities interested in Polar regions. The objectives are to identify and discuss opportunities, needs and structural barriers for Swiss researchers from social sciences and humanities (SSH) interested in Polar regions. This will be a great opportunity better place these fields in the Swiss Polar research landscape and to see if the SPI activities meet there particular needs. We would be very happy to count on your active participation in order to highlight the importance of social sciences and humanities and the Swiss competences in this field, and introduce them in the current SPI planning for the period 2020-2025.

Agenda:
13:30 – 14:00 Welcome coffee

14:00 – 14:45 Introduction by Danièle Rod, Yvon Csonka and Basil Fahrlaender
• Goals and agenda of the afternoon
• The Swiss Polar Institute and its instruments
• Introduction of the participants

14:45 – 15:30 The new role of social sciences and humanities research in Polar research, presentation by Yvon Csonka and discussion
15h30 – 15h45 Social Sciences at Davos: Report from POLAR2018, presentation by Ksenia Tatarchenko and discussion

15:45 – 17:00 How to enhance the field within the Swiss landscape? Discussion led by Yvon Csonka • What are the structural barriers? (Funding, critical mass, junior vs senior,…)
• Research priorities on the international and Swiss levels
• Are the instruments of the SPI adapted to the specific needs of the community?
• Representation of the Swiss community within dedicated international bodies (IASC, Arctic Council Working Groups, APECS, …)
• First step towards the constitution of a network?

17:00 – 17:30 Follow-ups and wrap-up

17:30 – 18:30 Networking Drink

Date and venue: The workshop is scheduled on 18 February, at the Muséum d’Histoire Naturelle Neuchâtel. If you would like to join the event or need more information, please contact at secretariat.spi@epfl.ch.

Pôles, Feu la glace, la nouvelle création du Muséum propose un voyage dans le Grand Nord et l’Extrême Sud du 9 septembre 2018 au 18 août 2019

Dienstag, 29. Januar 2019

SAC-Expeditionsteam im Juli '19 in Baffin Island

Die Nachwuchsalpinisten der beiden SAC-Expeditionsteams haben sich nach einer dreijährigen Ausbildung ihre Ziele ausgesucht. Während ein sechsköpfiges Frauenteam, welches seit drei Jahren vom Schweizer Fernsehen begleitet wird, im September in den Südwesten Kirgistans reisen wird, wird eine sechsköpfige Mannschaft bereits im Juli nach Baffin Island fahren, um sich Bigwall-Routen vorzunehmen. Die Alpen, 2019, 2, S. 15.

Siehe dazu auch: "Asgard lockt. Dieser Felsenklotz!" Zum 60. Jahrestag der Erstbesteigung des Mount Asgard (13. Juli 1953)


Mittwoch, 16. Januar 2019

Swiss Polar Day 2019 (Where: Uni Bern, UniS, Schanzeneckstr. 1, Room A 003. When: 23 April 2019)

The Swiss Polar Day gathers the Swiss scientific community around international keynote speakers active in the Arctic, Antarctic and high-altitude regions. It will also be the opportunity to debate and give inputs on SPI’s activities and future priorities.

The one-day conference is open to all active or aspiring members of the Swiss academic community interested or experienced in polar regions. Students, young scientists and experienced researchers from all fields are warmly invited to network and contribute to the debate!

Programme

9:00 – 9:30
Welcome coffee and registration

9:30 – 10:00
Welcoming words and opening speeches

10:00 – 10:30
Presentation on the GreenLAnd Circumnavigation Expedition – GLACE, by Prof. Samuel Jaccard

10:30 – 11:30
Searching for the Oldest Ice – Beyond EPICA: Prof. Hubertus Fischer, University of Bern

11:30 – 12:00
Plastic is forever… and everywhere, too – a perspective on Polar Oceans: Prof. Stefano Aliani, CNR Institute of Marine Science, Lerici, Italy

13:00 – 14:30
Standing lunch

14:30 – 15:00
Presentation of the Swiss Polar science plan

15:00 – 17:00
Parallel Sessions on the following themes:
- Cryosphere through time
- The carbon, nitrogen, water cycle nexus
- Biodiversity and ecosystem functioning
- Technology in extreme environments

17:00 – 17:30
Closing session

17:30 – 18:00
Networking drink

Registration
The event is free of charge, but registration is mandatory before 7 April 2019. To register online, click here and fill out the form. Places are limited – fist come, first served!

Swiss Polar Institute (SPI)


Sonntag, 23. Dezember 2018

ARKTIS TAG 2019 im Nordamerika Native Museum (Sonntag, 3. Februar 2019, 10 bis 17 Uhr)

Einst wie heute leben die Inuit im Einklang mit ewiger Kälte und kargen Landschaften. Ausgeklügelte Jagdtechniken, eine karge Speisekarte und das unübertroffene Talent der Specksteinbearbeitung faszinieren seit jeher. Tauchen Sie während des ArktisTag im NONAM ein die faszinierende Welt des hohen Nordens.

Mit Filmen, Fotovortrag, Throatsinging Performance, Führungen und der offenen Werkstatt. In der offenen Kreativ-Werkstatt bearbeiten wir mit den Jüngsten eigene Specksteinamulette als Andenken und zum Weiterdenken.

10-17 Uhr / Drop-In jederzeit
 "Coole" Filme im Medienraum Nunavut: Our land - 20 Episoden aus dem Leben der Inuit.

13 –16 Uhr / Drop-In jederzeit
Offene Kreativ-Werkstatt Speckstein – Amulett Die Inuit sind wahre Meister in der Specksteinfigurenbearbeitung. Im Museum gibt es zahlreiche Figuren, Tiere und sogar ein Flugzeug und eine Top Gun zu entdecken. Tauche ein die die Welt der Formen und ritze im Atelier dein eigenes Speckstein-Amulett.

11-12 Uhr Familienführung
"Inuk … was?" Lerne sie alle kennen: den Inukshuk, das Kajak und den Amauti Und hast du schon vom Einhorn der Meere gehört?

12:15 – 13:15 Uhr Öffentliche Führung
"Go North" Fokus Arktis Entdecken Sie die Vielfalt in Kunst, Jagd und Handwerk der "Gegend ohne Bäume" in unserer Sammlung.

13:30-15:00 Uhr Throatsinging Performance
Olga Letykai & Alissa Csonka (Nation: Chukchi) Olga und ihre Tochter entführen sie mit ihrem Kehlkopfgesang auf eine musikalische Reise an die Ufer der Eismeere.

15:15-16:45 Uhr Foto-Vortrag von Markus Bühler
"Inuit – Leben am Rande der Welt" Der Bezirk Thule mit seiner Hauptstadt Qaanaaq ist der nördlichste Punkt auf Erden, der von Menschen bewohnt ist. Achthundert Menschen leben in der Stadt und ihrer Umgebung, die meisten sind Inuit, ein Volk von Jägern, Fischern, Sammlern.

Markus Bühler hat die Thule Inuit begleitet – im Alltag und während der Jagd – und ermöglicht einmalige Einblicke in das harte Leben im hohen Norden.

Nordamerika Native Museum (NONAM), Zürich

Markus Bühler aus: Vanishing Thule



Coast to Coast 2018 - Grönlanddurchquerung von Thomas Ulrich, Stefan Glowacz und Philipp Hans

"Mit dem Segelboot, zu Fuss und mit dem Kite haben wir unsere Grönlanddurchquerung 2018 erfolgreich über die Bühne gebracht – ein Abenteuer in purer Form, bedächtig, manchmal ungewiss und voller nachhaltiger Erlebnisse." Thomas Ulrich

Website Thomas Ulrich




Dienstag, 20. November 2018

Sandra Walser: Auf Nordlandfahrt – 1896 von Hamburg nach Spitzbergen (Neuerscheinung)

Im Juli 1896 sticht in Hamburg der kleine Touristendampfer Erling Jarl in See und nimmt Kurs auf den Rand der damals bekannten Welt. Sein Ziel ist die hocharktische Inselgruppe Spitzbergen, ungefähr auf halber Strecke zwischen dem norwegischen Festland und dem Nordpol gelegen. Die 52 Passagiere an Bord – 45 Herren und 7 Damen – gehören zu den allerersten Polartouristen und -touristinnen überhaupt.

Wer waren sie? Was erhofften sie sich von der ungewöhnlichen Reise? Wie haben sie sie tatsächlich erlebt? Und nicht zuletzt: Was hat das alles mit unserer Gegenwart zu tun? Fragen wie diese führen durch die sorgfältig recherchierte und populärwissenschaftlich aufbereitete Publikation von Sandra Walser. Thematisch Schlaglichter setzend, lässt die Autorin die visionäre Nordlandfahrt der Erling Jarl wieder aufleben und entführt in eine faszinierende Epoche, in der der (Arktis-)Tourismus noch jung und wild war und weisse Flecken auf der Landkarte Anlass gaben zu grossen Geschichten. Walsers lebendiger Schreibstil sowie ein reicher Schatz an historischem Bildmaterial ermöglichen eine Kopfreise entlang der legendären Hurtigruten-Strecke – und weiter Richtung Nordpol.

Ein Deutscher als Vater des Polartourismus
Die 34-tägige Fahrt von Hamburg nach Spitzbergen im Sommer 1896 wurde vom findigen Norddeutschen Wilhelm Bade (1843–1903) veranstaltet, der heute als Begründer der Polartouristik gilt. Er brachte ab 1893 zahlende Passagiere in die Arktis und bot seiner internationalen, in der Regel gut betuchten Kundschaft mehr als nur «Land und Leute».

Die Unternehmung 1896 war besonders aufwändig aufgegleist. Beispielsweise fädelte Bade in Norwegen den Besuch einer Walfangstation ein, auf der auch der deutsche Kaiser Wilhelm II. verkehrte. Zudem konnten seine Gäste einer totalen Sonnenfinsternis beiwohnen, zusammen mit Astronomiegrössen aus aller Welt. Die beiden unbestrittenen Höhepunkte aber erlebten die Nordlandfahrenden in der hohen Arktis. Nicht nur stiessen sie im Eismeer auf eine der damals höchsten, je mit einem Schiff erreichten nördlichen Breiten vor. Sie verbrachten auch einige Tage im Basislager des schwedischen Polarforschers Salomon August Andrée (1854–1897), dem Leiter der wohl tollkühnsten Expedition des 19. Jahrhunderts: Von Spitzbergen aus – so der Plan – wollte Andrée die Bezwingung des noch uneroberten Nordpols auf dem Luftweg in Angriff nehmen ... in einem Gasballon!

Basislager der Andrée-Expedition auf Danskoya. Gemälde von Hans Beat Wieland. Privatbesitz

























Ein Schweizer mit an Bord
Der heimliche Protagonist von «Auf Nordlandfahrt» ist Hans Beat Wieland (1867–1945). Der Schweizer Maler war als 29-Jähriger im Auftrag einer Zeitung als Zeichner an Bord der Erling Jarl. Neben einigen Fotos und Bildern hinterliess er auch ein feinsinniges, und bisweilen äusserst unterhaltsames Tagebuch, das die Initialzündung zu Sandra Walsers Publikation gab.

Hans Beat Wieland 1896. Staatsarchiv Uri
Wieland passte als (Lebens-)Künstler und leidenschaftlicher Berggänger eigentlich so gar nicht in die illustre Gesellschaft. Ihm lag wenig an Champagner, Frack und Dekolleté. Sein Interesse galt vielmehr der Erkundung der Szenerie, in der er – wandernd, malend und schreibend – immer wieder Parallelen zu seiner Heimat entdeckte. So liess ihn das nordnorwegische Küstengebiet schwärmen: «Meine eigentliche Lieblingslandschaft – sie hat sehr viel Ähnlichkeit mit dem Gotthard.» Spitzbergen zog ihn dann komplett in den Bann. Man erhalte von diesem «Wunderland» wohl die beste Vorstellung, wenn man sich «unsere Hochalpen bis zur Schneegrenze ins Meer versenkt denkt, so dass nur noch die obersten Gipfel und Firnbereiche hervorragen.» Er schuf die erste umfassende Werkgruppe zum hocharktischen Archipel und avancierte einige Jahre später zu einem überaus populären Bergmaler.

Damals wie heute: Reisen, Naturerlebnis, Entdeckerlust
Wieland sah in Spitzbergen das «Touristenland der Zukunft». Die Zeit sollte ihm Recht geben: Im Fahrwasser der Erling Jarl haben mittlerweile unzählige Passagierschiffe den hocharktischen Archipel angesteuert. Allein 2017 wurde er von rund 59 000 Personen auf dem Seeweg besucht. Der Polartourismus erfährt gerade den grössten Wachstumsschub seiner Geschichte.

«Auf Nordlandfahrt» beschäftigt sich als erste deutschsprachige Publikation ausführlich mit den Anfängen dieses boomenden Tourismus-Zweigs. Gleichzeitig ist sie in ihren Grundthemen – Reisen, Naturerleben, Entdecken – sehr universell und gibt spannende Einblicke in den Geist einer Zeit, die in verschiedenster Hinsicht vom Aufbruch geprägt war und bis heute nachwirkt. (Medienmitteilung)

Sandra Walser: Auf Nordlandfahrt – 1896 von Hamburg nach Spitzbergen NZZ Libro: Basel 2018. 176 Seiten, 64 Abbildungen. 16 x 24 cm, gebunden (Halbleinen). ISBN 978-3-03810-367-7. UVP CHF 39 / EUR 39. Bestellung

Sonntag, 4. November 2018

„Wir sind einfach losgerannt ins Unbekannte“ (Julian Charrière)

„Ich wollte an das Suchlicht des Forschungsschiffes meiner Antarktisexpedition und an Frank Hurley, den Pionier der Abenteuerfotografie, anknüpfen. Und an sein Blitzlicht: einen Teil der Landschaft verstecken, den anderen Teil in den Fokus rücken. Wie das Auge der Wissenschaft. Die Landschaft entwickelt sich wie eine Fotoplatte. Statt des Suchlichts des Bootes wollte ich eine Drohne fliegen lassen." Welt online, 4.11.2018

Quelle: © Julian Charriere

Sonntag, 9. September 2018

Svalbard im aktuellen Klimawandel, von Conradin C. Burga

Die diesjährige Exkursion der NGZH [Naturforschende Gesellschaft in Zürich] führt im August nach Spitzbergen. Die Inselgruppe ist, wie alle Polarregionen, stark vom Klimawandel betroffen. Der vorliegende Artikel beleuchtet, was diese Entwicklung für Spitzbergen bedeutet.

PDF des in der Vierteljahrsschrift der Naturforschenden Gesellschaft, Jg. 163 (2018), H. 2, S. 10-13, erschienen Aufsatzes. Conradin C. Burga ist emeritierter Professor für Physische Geographie an der Universität Zürich und u.a. Herausgeber der Monographie Oswald Heer, 1809-1883. Paläobotaniker, Entomologe, Gründerpersönlichkeit, Zürich 2013. Siehe auch "Ausgezeichnete Früchte auf Hasen Insel." (Alfred G. Nathorst an Oswald Heer)

Homepage der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich

Luftaufnahme des Midre Lovenbreen (NGZH)




 

Donnerstag, 30. August 2018

Illegal am Everest. Mein steiniger Weg auf der Suche nach dem Glück, von Hans-Peter Duttle, geschrieben von Reto Winteler

„Hans-Peter Duttle kommt 1938 in Beirut zur Welt. […]Zusammen mit drei Amerikanern begibt sich der junge Mann 1962 auf eine illegale Besteigung des Mount Everest im verbotenen Tibet – für ihn ist es ein Aufbruch mit spirituellem Charakter. Die Expedition scheitert unter dramatischen Umständen. Wieder daheim, findet sich Hans-Peter Duttle in seinem Leben abermals nicht zurecht, und er wandert in den hohen Norden Kanadas aus. In einfachsten Verhältnissen lebend, verbringt er drei erfüllte, glückliche Jahre bei den Inuit.[…]“ (Verlagstext)

Inhaltsverzeichnis 

Die Verlockungen der Nordostpassage, von Rudolf Hermann

Ein Fischerdorf in der norwegischen Arktis will zum "Singapur Europas" werden
Neue Zürcher Zeitung, 30. August 2018























































Dazu siehe auch: Ein Berner Patrizier des 18. Jahrhunderts als Polarforscher. Samuel Engel und seine Hypothese eines schiffbaren Nordpolarmeers

Sonntag, 19. August 2018

Hermann Hiltbrunners "Ein schweizerischer Robinson auf Spitzbergen", von Stefan Kern

Den Berichten von Walfängern und Fischern schenkte die Royal Navy bei der Vorbereitung ihrer Missionen in die Arktis anfangs des 19. Jahrhunderts wenig Interesse. Vermutlich hätte sie dies jedoch vor einigen Irrtümern bewahrt. Der Walfänger William Scoresby (1789-1857; Wikipedia) etwa bezweifelte die Existenz eines offenen Nordpolarmeers, weil sich seiner Erfahrung nach die Eisverhältnisse in der Arktis von Jahr zu Jahr stark veränderten.[1] Heute sind solche Aufzeichnungen zu einer unverzichtbaren Quelle bei der Erforschung der Erschliessungsgeschichte der Polargebiete und zur historischen Klimatologie geworden [2].

Dem Verfasser der folgenden kleinen Studie ist zwar kein Schweizer bekannt, der als Walfänger in die Arktis gefahren wäre. Doch im Jahr 1926 erschien eine Schrift mit dem Titel Ein schweizerischer Robinson auf Spitzbergen. Die Erlebnisse vier Schiffbrüchiger in der Polarnacht. Einem Tagebuch nacherzählt des Schriftstellers Hermann Hiltbrunner (1893-1961; HLS) [3]. Darin schildert er das Schicksal des 1880 im Kanton Thurgau geborenen Schiffskochs Walter Lüthi auf Spitzbergen.[4]

Gut hundert Jahre zuvor war der schweizerische Robinson schon zu einer Art von Markenzeichen geworden: Johann Rudolf Wyss (1781-1830; HLS), der Sohn von Johann David Wyss (1743-1818; HLS),  liess die von ihm überarbeitete Geschichte Der schweizerische Robinson, oder der schiffbrüchige Schweizer-Prediger und seine Familie in den Jahren 1812 bis 1827 veröffentlichen. Der Vater, Theologe und Prediger am Berner Münster, hatte sie für seine Söhne geschrieben. Schauplatz war die Insel Isabelle de Montolieu in Neuguinea, wo eine sechsköpfige Auswanderer-Familie aus der Schweiz und ihre beiden Doggen Türk und Bill Schiffbruch erlitten. Dieses Buch wurde zu einem Longseller, es wurde u.a. von Walt Disney verfilmt und im englischsprachigen Raum gilt es als eines der erfolgreichsten Jugendbücher überhaupt.

Hermann Hiltbrunner (1)
Im Gegensatz zu Wyss, der den Schauplatz seiner Erzählung nicht aus eigener Anschauung kannte – seine Inspiration bezog er wohl aus zeitgenössischen Reiseberichten, die im Verlauf des 18. Jahrhunderts immer zahlreicher erschienen –, war der Schriftsteller Hermann Hiltbrunner mit Spitzbergen vertraut. Seinen Aufenthalt dort beschrieb er rückblickend in den schwärmerischen Sätzen: «Ich selbst habe einen kurzen Sommer lang auf dieser Insel gelebt; es waren die wunderbarsten Tage meines Lebens. Ich hatte keinen Komfort, aber ein Dach überm Kopf und Ruhe und Stille um mich herum, es gab keine Nacht, und doch füllte ein grosser Friede mein Herz. Und als es anfing Herbst zu werden, die Mitternachtssonne im Norden mehr und mehr hinter die Berge sich senkte, da war die Insel ein Paradies an landschaftlicher Schönheit. Ich kann ohne Zaudern sagen, dass alles, was ich an Schönheiten auf dieser Erde gesehen habe, in Spitzbergen sein Höchstmass erreicht hat.»[5]

So ist es denn auch nicht weiter verwunderlich, dass Hiltbrunner die Aufzeichnungen Walter Lüthis mit grossem Interesse las, die dieser 1902/03 auf Spitzbergen machte. Hiltbrunner kannte Lüthis in der Berner Marktgasse gelegene Kaffee- und Teestube bereits seit 1914, als er in Bern als Lehrer tätig war. Auf die Erlebnisse Lüthis wurde er allerdings erst 1924 – nach seiner Rückkehr von Svalbard, der kühlen Küste – aufmerksam: «Als ich von Spitzbergen zurück und als alter Stammgast sein Restaurant wieder besuchte und ihm von meinen Fahrten erzählte, da horchte Freund Lüthi mit einemmal auf, rannte davon und kam mit zwei Wachstuchheftchen wieder. ‘Lesen Sie einmal diese Notizen’, sagte er, ‘wenn ich Ihnen jetzt sage, dass ich einmal auf Spitzbergen war, so werden Sie es mir nicht glauben, aber lesen sie das da’. [...] Die Tagebuchnotizen waren ungeschickt verfasst [Lüthi besass lediglich acht Jahre Schulbildung, S.K.], aber sie waren erschütternd; sie waren kaum orthographisch richtig geschrieben, aber sie waren wahr. Ohne grosse Worte, einfach geradlinig erzählte er hier seine Erlebnisse – und was für Erlebnisse.»[6]

Über Hiltbrunners Weg zum Schriftsteller schrieb der Germanist Werner Juker (1893-1977; HLS) in der Einleitung zur 1959 neu aufgelegten Ausgabe des Robinsons auf Spitzbergen: «Hermann Hiltbrunner wurde 1893 in Biel-Benken im Baselland geboren, war drei Jahre Lehrer in Bern und trieb sich dann sieben Jahre lang in verschiedenen Fakultäten an den Universitäten Bern und Zürich herum, um schliesslich auf die Gelehrsamkeit zu verzichten und einfach Dichter zu sein.»[7]

Einbandillustration von Spitzbergen-Sommer (2)
Erstmals nach Norwegen reiste Hiltbrunner im Jahr 1922, wo er als Deutschlehrer arbeitete und mit Knut Hamsun in Kontakt trat, dessen Gedichte er später ins Deutsche übersetzte. Seinen Aufenthalt auf Spitzbergen verarbeitete Hiltbrunner in einem über 400seitigen Epos mit dem Titel Spitzbergen-Sommer. Ein Buch der Entrückung und Ergriffenheit. Ein Buch der Natur, das 1926 im Orell Füssli Verlag in Zürich erschien.[8] Dem Journalisten Christoph Egger zufolge ist es «[…] wohl die erste Publikation zum Thema Arktis eines deutschsprachigen Dichters» [9]. Der schweizerische Robinson auf Spitzbergen erschien im gleichen Jahr und Verlag.

Bis zu jenem schicksalshaften Jahr auf Spitzbergen erfährt der Leser auch Details aus Lüthis Vorleben: So pendelte er bereits im Alter von 17 Jahren als Schiffskoch zwischen England und Amerika. Darauf arbeitete er als Küchenchef in einem Hotel in Irland und in einem Emigrantenhotel der White-Star-Line in Liverpool, dann erneut als Schiffskoch auf einem Vergnügungsdampfer im Mittelmeer. Nach einer Saison in einem Hotel in Irland fand er eine Anstellung als «Lord-Koch auf Anglesy-Castel[!]» (Herrschaftssitz auf der westlich von Liverpool gelegenen Insel Anglesey?; Visit Anglesey, Heritage). Nach dem Tod seines Dienstherrn heuerte Lüthi 1901 auf der Yacht Greta an, mit der ein Angehöriger der Familie Vanderbilt (George Washington Vanderbilt II?; Wikipedia) auf Weltreise ging. Diese führte durch das Mittelmeer und den Suezkanal bis nach Australien und, nach Zwischenstationen auf Neu-Guinea, Hong-Kong und Yokohama, nach San Francisco. Nach der Umrundung Südamerikas musterte Lüthi im Februar 1902 in New York ab. Nachdem er einige Wochen als Verlader von Gefrierfleisch gearbeitet hatte, heuerte er auf dem Frachter Greenland an, der nach Glasgow ging.

Dort machte Lüthi die Bekanntschaft des Matrosen Walter Mac Kenna, der ihn auf gute Verdienstmöglichkeiten auf Schiffen aufmerksam machte, die nach Tran, Speck und Fischbein von Walen fuhren. Und darauf, dass bei reicher Beute während den drei- bis höchstens fünfmonatigen Reisen eine Gratifikation zu erwarten sei. Lüthi erhielt eine Heuer als Koch und Bäcker auf dem Schiff, auf dem Mac Kenna Dienst tat und welches unter dem Kommando von Kapitän Wood stand. Am 2. Mai 1902 verliess die Good Hope Glasgow mit einer 14köpfigen Besatzung sowie der 23 Jahre alten deutschstämmigen Frau des Schiffsführers, von der Lüthi bzw. Hiltbrunner nur ihren Vornamen Alice überliefert haben. Nachdem der Walfänger ohne Erfolg vor der Westküste Spitzbergens bis zur weit im Norden gelegenen Däneninsel kreuzte, entschloss sich Wood, seine Chance an der kaum befahrenen Ostküste zu suchen; die Eisverhältnisse schienen ihm in dieser Saison günstig.

Die Havarie, die sich kurz darauf ereignete, erlebte Lüthi so: «Eines Morgens früh um fünf Uhr hörte ich den ersten Schuss der Harpunenkanone. Schnell eilte ich auf Deck, sah aber nur einen roten Streifen auf dem Wasser. Es war also geschehen: das erste Geschoss hatte sein Ziel nicht verfehlt. Fast mit Blitzesschnelle wickelt sich das Seil von der Spindel, und auch das Schiff kam in schnellere Fahrt. Schneller und schneller, gefährlich schnell rauschte es durch die eisigen Wasser – aber auf einmal war eine eisige Wand vor uns. Entweder hatte sie sich eben gebildet, oder der Wal hatte uns an sie herangezogen. Jedenfalls bestand äusserste Gefahr; sofort wurde das Tau abgeschnitten, und das Schiff drehte ab, um nicht in den Nebel zu laufen. Aber es war zu spät: er kam mit einer solchen Wucht und Schnelligkeit auf uns zu, dass wir im nächsten Augenblick eingehüllt waren.
Auf einmal gab es einen gewaltigen Ruck, der mich mit solcher Wucht auf den Boden schleuderte, dass ich, wäre ich nicht auf einige Segeltuchballen gestürzt, jedenfalls bewusstlos liegen geblieben wäre. Im Nu war ich wieder auf den Beinen, und siehe da: das Schiff war auf einen schwimmenden Eisberg gestossen. Ein Stöhnen und Ächzen vom Heck her liess mich vermuten, dass ‘Good Hope’ leck gelaufen sei – und nach einigen Sekunden gab es eine furchtbare Explosion im Maschinenraum, der gegen das Schiffshinterteil zu lag … im gleichen Moment schwemmte mich eine Sturzwelle über Bord, die mir vielleicht für den Augenblick der Explosion das Leben gerettet hat.»[10]

Lüthi gelang es an Land zu schwimmen und auch die hilflos im Meer treibende Frau des Kapitäns zu retten. Nachdem er zum lecken Schiff zurückgeschwommen war, entdeckte er den leicht verletzten Mac Kenna in der Kombüse; gemeinsam befreiten sie darauf den unter Deck eingeschlossenen Schweden Niels Jansen. Von den übrigen Besatzungsmitgliedern fehlte jede Spur. Mit einem Rettungsboot begannen sie darauf Lebensmittel, Ausrüstung und Holz vom Schiff zu bergen. Kurz darauf lief die Good Hope auf Grund.

Ostküste von Spitzbergen (Sabine-Land): Im Vordergrund der 285 Meter hohe Domen, im Hintergrund der Usherbreen (Blickrichtung nach NW) (3)


Da es ihnen aussichtlos schien, noch vor Einbruch des Winters Nordenskiöld-Land (Wikipedia) zu durchqueren, um zur mehr als 100 Kilometer entfernt liegenden Westküste zu gelangen, wo am ehesten eine Chance auf Rettung bestand, beschloss die Vierergruppe, aus Treibholz und Holz sowie Segeltuch vom Schiff eine Unterkunft im Schutz einer Felswand zu bauen. Mit Jagd – zweimal erbeuteten sie auch einen Eisbären - gelang es ihnen, ihre Lebensmittelvorräte vom Schiff um Fleisch für sich und Fett für die aus einer Konservendose gefertigte Lampe zu ergänzen.

Anfang Juni 1903, nach achtmonatiger Überwinterung, während der sie Anzeichen von Skorbut erlitten, brachen sie zur Westküste auf; ausgerüstet mit Kleidern und Schlafsäcken, die sie während des Winters aus Fellen und Segeltuch hergestellt hatte. Ihr Proviant für acht bis zehn Tage bestand aus Konserven, die sie aufgespart hatten.


















Nordenskiöld-Land: Im Südosten liegt das nach dem Schweizer Paläobotaniker Oswald Heer (1809-1883; HLS) benannte Heer-Land; in der Mitte des oberen Bildrands ist der 1’079 Meter hohe Helvetiafjellet (Fjell = Berg) erkennbar, ssw davon, in etwa 10 Kilometer Distanz, befindet sich der nach Walther von Hallwyl (1839-1921; Wikipedia) benannte, 946 Meter hohe Hallwylfjellet (auf dieser Karte nicht eingezeichnet).
Die grünen Kreise markieren die möglichen Positionen der Überwinterer. Die Hütte bzw. die Stelle, wo die Good Hope havarierte, befand sich an der Nordseite eines bis ins Meer reichenden Gletschers.[11] Dafür kommen die folgenden drei in Frage: Im Nordosten der Ulvebreen (breen = Gletscher), in der Mitte der Inglefieldbreen sowie der im Südosten gelegene Richardsbreen. Die roten Linien markieren die möglichen Routen zur Westküste.
Der blaue Kreis am Ende des Van Mijenfjords markiert Sveagruva: Möglicherweise stiess die Gruppe dort nach fünftägigem Marsch auf die Hütte, wo sich vier Jäger aufhielten und wo die Gruppe versorgt wurde und sich erholen konnte. Der in der Bildmitte vorhandene blaue Kreis markiert die Sørhytta, wo nach dem Tod des Schweden Niels Jansen die nunmehr dreiköpfige Gruppe vermutlich eine Nacht verbrachte.[12] Der rote Kreis an der Ostseite des Grønfjorden markiert Green Harbour, ein südlich der 1921 gegründeten Siedlung Barentsburg gelegener Hafen mit Transiederei, wo die Gruppe vom 3'000-Tonnen-Frachter Hampshire nach Fleetwood, dem an der englischen Ostküste gelegenen Fischereihafen an der Ostküste, evakuiert wurde. (4)

Am vierten Tag ihres Marsches erblickten sie erstmals das Meer an der Westküste. Am darauffolgenden Tag entdeckten sie Rauch und kurze Zeit später eine Hütte, die an einer kleinen Bucht am Ende eines langen Fjords lag. Dies könnte der Van Mijenfjorden gewesen sein, an dessen nordwestlich gelegenen Ende der Ort Sveagruva liegt, wo die Kohleflöze fünf Meter mächtig sind [13]. Während die Witwe des verschollenen Kapitäns Wood, die völlig entkräftet war, sich erholen konnte, gingen die Männer auf Jagd. Nachdem eines Tages Lüthi und Jansen einen Renbock schossen und ihn über einen der nördlich von ihrer Unterkunft gelegenen Gletscherzungen schleppten, brachen sie in eine Spalte ein. Während Lüthi gerettet wurde, blieb Jansen verschüttet.

Einige Tage darauf brachen Lüthi, Mac Kenna und Alice mit dem Ziel auf, die Advent-Bay [14] zu erreichen, so, wie es der verunglückte Jansen geplant hatte. Nach anfänglich strahlend schönem Wetter, hatten sie ab dem dritten Tag mit Nässe und hohen Pegelständen der Wasserläufe zu kämpfen.

Die Sørhytta im Jahr 2013 (5)
Nach fünf Tagen gelangten sie zu einer Hütte – möglicherweise zur nördlich dem Reindalselva (Elva = Fluss) im Reindalen [15] gelegenen Sørhytta [16], die von einer älteren Frau bewohnt wurde. Von ihr erhielten sie das Nötigste an Nahrungsmitteln und den Rat, westwärts zu gehen, um Green Harbour (Wikipedia) zu erreichen; ihrer Ansicht nach war dort nämlich die Chance auf ein Schiff zu treffen grösser, als an der Advent-Bay. Nach zwei Nächten, die sie kaum geschützt in Schneestürmen verbrringen mussten, erreichten sie  am dritten Tag schliesslich die am Grønfjorden [17] gelegene Walfangstation [18].

Auffallend an Lüthis bzw. Hiltbrunners Bericht ist, dass zwar der Verlauf ihrer Durchquerung von Nordenkiöld-Land recht detailliert beschrieben ist, jedoch keine Angaben über die Position ihres Winterquartiers und zu Gletschern oder Flüssen, die sie passierten, gemacht werden. Der Grund dafür dürfte darin bestehen, dass die Good Hope nur Seekarten mit sich geführt hatte.

Nach ihrer Ankunft in Fleetwood bestieg die Reisegruppe den Zug nach Liverpool, wo sich Alice bei einem Zwischenhalt in Crewe von den zwei Männern verabschiedete; auf Wunsch von Lüthi sollte sie die Nachricht vom Tod ihres Mannes ins heimische Stirling [19] bringen und er riet ihr, danach ihren Anspruch auf eine Pension bei der Reederei in Glasgow anzumelden.[20]

Was den weiteren Lebensweg Walter Lüthis betrifft, so hielt Hiltbrunner lediglich fest, dass er eine Jugendliebe aus Winterthur heiratete [21] und später nach Biel zog, wo ihn Hiltbrunner aus den Augen verlor.[22]

Green Harbour in einer Aufnahme des norwegischen Photographen Anders Beer Wilse vom August 1928 (6)
























Anmerkungen
1 Vgl. Officer/Page: Arktis, S. 98-99.
2 Vgl. Mauelshagen: Klimageschichte.
3 Orell Füssli Verlag, Zürich 1926. Weitere Ausgaben erschienen 1937 und 1959 im Verlag Gute Schriften (Wikipedia) und in den Jahren von 1929 und 1930 als Fortsetzung in der Monatsschrift Am häuslichen Herd.
4 In der Erstausgabe wird der Name Lüthis mit einem Y angegeben, in der Ausgabe aus dem Jahr 1959 mit Lüthi bzw. Walter Lüthi-Morf, vgl. Hiltbrunner: Robinson, S. 7; sein Geburtsjahr ist in der Ausgabe aus dem Jahr 1959 angegeben, vgl. ebd., S. 8.
5 Hiltbrunner: Robinson, 1959, S. 11.
6 Ebd., S. 12. Die beiden «Wachstuchheftchen» befinden sich nicht im Nachlass Hermann Hiltbrunners, der im Schweizerischen Literaturarchiv (SLA) der Nationalbibliothek in Bern aufbewahrt wird.
7 Ebd., S. 5.
8 Hiltbrunner veröffentlichte im Jahr 1926: Eismeerküste. Zyklus aus der unveröffentlichten Dichtung «Eismeermythe» opus 19 sowie 1931 Nordland und Nordlicht. Träume und Erfüllungen aus Wanderjahren.
9 Egger: Schrecken, S. 63.
10 Hiltbrunner: Robinson, 1959, S. 20-21.
11 Vgl. ebd., S. 37-38.
12 Vgl. ebd., S. 68.
13 Vgl. Umbreit: Spitzbergen, S. 401.
14 «Fjord branching on Spitsbergen, off the south from Isfjorden. The name Adventfjorden is a Norwegian adaption of Adventure Bay, probably after the English Whaler Adventure, which was stationed in the innermost part of Isfjorden 1656.» Ellingsve: Names, S. 33.
15 «Named after Reindeers. […] This ist the largest single area of continuous rich tundra vegetation on Svalbard.» Ellingsve: Names, S. 138.
16 GPS Koordinaten: N78.00852; E15.95478.
17 «Branch of Isfjorden; […] refers to report from a Swedish expedition to Spitsbergen 1861 […], describing the vegetation in the area as both luxuriant and changing.» Ellingsve: Names, S. 73.
18 Vgl. Hiltbrunner: Robinson, S. 49-76.
19 Statt Sterling, wie im Text angegeben, dürfte das nordwestlich von Edinburgh gelegene Stirling gemeint sein. Vgl. Hiltbrunner: Robinson, S. 79.
20 Vgl. Hiltbrunner: Robinson, S. 79.
21 Vgl. ebd., S. 80.
22 Vgl. ebd., S. 7-8.

Quellen und Literatur 
Egger, Christoph: Vom Schrecken zum Traum der Leere. Literarische Manifestationen polarer Landschaften, in: NZZ, 22.5.2004, S. 63, NZZ.
Ellingsve, Eli Johanne: Stedsnavn på Svalbard = Names on Svalbard, Trondheim 2005.
Hiltbrunner, Hermann: Ein schweizerischer Robinson auf Spitzbergen. Die Erlebnisse vier Schiffbrüchiger in der Polarnacht, Bern 1959.
Mauelshagen, Franz: Klimageschichte der Neuzeit, 1500-1900, Darmstadt 2010.
Officer, Charles/Page, Jake: Die Entdeckung der Arktis, Berlin 2002.
Umbreit, Andreas: Spitzbergen mit Franz-Josephs-Land und Jan Mayen, 6. überarbeitete Auflage, Struckum 2002.

Nachweis der Abbildungen
Schweizerisches Literaturarchiv (SLA), Nachlass Hermann Hiltbrunner
2 Hiltbrunner, Hermann: Spitzbergen-Sommer. Ein Buch der Entrückung und Ergriffenheit. Ein Buch der Natur, Zürich 1926. Dem Buch ist keine Angabe ihres Schöpfers zu entnehmen. Eigentum der Zentralbibliothek Zürich.
3 Aufnahme von A. Skoglund/Norsk Polarinstitutt, Tromsø
4 Ausschnitt aus der Karte Svalbard 1:1'000'000 des Norsk Polarinstitutt, Oslo 1967; eigene grafische Darstellung.
5 Polární výprava Svalbard 2013
6 Wikipedia

«Berner Kaffeehausiaden […]
In unserer Bundesstadt ist unter den Lauben eine Kaffeestube, wo man für einen Franken und fünfzig Rappen ein Nachtessen bekommt. Gestern gab es Wurstmayonnaise mit frischen Kartoffeln. Der Wirt, bieder wie das Lokal und die Gäste, wünscht einen guten Abend und würzt die Suppe mit zwei Witzen. Und sagt dann etwas von der Hitze und wischt sich den Schweiss von der Stirne – er zieht auch die Hosen stramm, wie das wohlbeleibte Köche zu tun pflegen. Ganz unvermittelt plaudert er jetzt mit seiner wohlgefälligen Stimme von fernen Ländern, von Südamerika, Grönland, Spitzbergen.
‘Sie sind herumgekommen’, sage ich, mehr aus Höflichkeit als aus Anteilnahme.
‘Der Wanderbyll hat den rechten Namen gehabt; lange hat’s ihn nirgend gelitten.’
Ich bekomme gerade Luft zwischen den Kartoffeln. ‘Der Wanderbyll?’ wundre ich. ‘Der Millionär?’
‘Der. Ich war Koch bei ihm. Haben Sie mein Buch nicht gelesen?’
‘Ihr Buch?’ Er schlurft in den langen dunkeln Raum nach hinten, rumort irgendwo in einem Kasten und legt mir ein weisses Büchlein neben den Teller mit der Mayonnaise. Es ist Hiltbrunners schweizerischer Robinson!
‘Der Hiltbrunner hat es meinem Tagebuch nacherzählt. Er hat die leichtere Feder als ich’, sagt er zur Entschuldigung.
Da steht er also vor mir, der prächtige Kerl aus jener Welt von Eis und Entbehrungen, die Hiltbrunner so hinreissend geschildert hat! Und ich habe drei Jahre lang mit all den andern über schlechtschneidende Messer und angebrannte Kartoffeln geschimpft! Und niemand hat es gesagt, gewusst …! O Schweiz, was bist du doch für ein  k l e i n e s  Land! […] Kiki.»

Nebelspalter. Das Humor- und Satire-Magazin, 55(1929), Heft 35, S. 14-15.

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Freitag, 6. Juli 2018

GreenLAnd Circumnavigation Expedition - GLACE (Call for Proposals)

The GreenLAnd Circumnavigation Expedition (GLACE) will offer an unprecedented complete circumnavigation of Greenland in a single expedition over a 2-month period in August and September 2019. The expedition will provide access to the remote and as yet critically understudied Northern Greenland area and provide a unique opportunity to investigate the marine, terrestrial, atmospheric, and cryospheric environments of the Arctic.

The R/V Akademic Tryoshnikov (AARI, St Petersburg) will be available for the expedition after a partial refit, offering a range of equipment and infrastructures. During the Northern Greenland section of the expedition the AT will be escorted by the nuclear icebreaker 50 Let Pobedy.

As the ship will be steaming for around 20 hours each day, scientific sampling should be focused on continuous oceanographic and atmospheric (underway) sampling approaches, combined with terrestrial and cryospheric studies at several super-sites, with emphasis on Northern Greenland.

Proposals should be directed specifically to one of the subjects highlighted in the science plan. A combination of different subject areas into multi-disciplinary projects is also possible. Projects should include multiple sites and are encouraged to address broad and relevant scientific questions taking advantage of the entire journey.

Access to the vessel and its facilities (incl. helicopter time) will be free of charge for all teams selected by the scientific review panel, from the embarkation port onwards. International teams are invited to apply, provided they can cover their own logistics and science-related costs. Swiss-led projects will be eligible for additional funding of up to CHF 150’000 per project.

The scientific review panel will select up to 10 research projects from the submitted proposals. Deadline for submission is 10 September 2018 (12:00, Swiss time) (SPI)

Swiss Polar Institute SPI 

GLACE

GLACE: Proposed travel plan and timing