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Freitag, 2. Februar 2018

Schaffhauser in Grönland (1932-1958), von Susi Demmerle

„Unter dem Einfluss der einsamen, monotonen und endlos erscheinenden Polarnacht wird man gereizt, übertrieben hässig und man beginnt seine alltägliche Umgebung zu hassen und vielleicht auch zu fürchten. Die Auswirkungen sind grotesk, fast unglaublich, aber zum Glück meist nur tragikomisch. Auf einer langen Schlittenreise kamen wir an einer von zwei Männern bewohnten Jagdstation vorbei.
Als wir eintrafen, wohnte der eine im Zelt neben der Hütte, während der andere diese nicht zu verlassen wagte. Beide sassen oder lagen mit geladenen Gewehren unter dem Arm herum, jeder überzeugt, der andere wolle ihn erschiessen. Die Todfeindschaft hatte mit einer Diskussion über den letztjährigen Erdbeerpreis in Kopenhagen begonnen. Durch unsere Ankunft und indem wir beide entwaffneten, wurde der Bann gebrochen. Nach einigen Stunden waren sie versöhnt, lachten und konnten vom ganzen Drama überhaupt nichts mehr verstehen.“ Der Schaffhauser Geologe Emil Witzig (*1921) über eine Episode während seiner Überwinterung 1949/50 in Nordost-Grönland.

Zur Veröffentlichung der Naturforschenden Gesellschaft Schaffhausen

Aufbau des Syltoppene auf Scoresby-Land (Bild: Ernst Hofer) 

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