Freitag, 19. September 2014

Peter Schmidt Mikkelsen: North-East Greenland 1908-60. The Trapper Era. Cambridge 2008, Rezension von Stefan Kern

Grönland ist die grösste Insel der Welt. Sie dehnt sich vom 59. bis zum 83. Breitengrad auf über 2‘650 Kilometern aus. Nur knapp 20 Prozent ihrer Fläche ist vom Eis nicht bedeckt. Bedingt durch den Nordatlantik- und den Golfstrom sind an der Westküste viel mehr Siedlungen entstanden, als an der Ostküste. Dort sind es nur zwei: Das etwas südlich des Polarkreises liegende Tassilaq (Ammassalik) sowie die ungefähr 600 Kilometer nördlich davon gelegene Siedlung Ittoqqortoormiit (Scoresbysund). Sie wurde 1925 auf Veranlassung der dänischen Kolonialverwaltung gegründet. Die Küstengewässer Ost-Grönlands wurden 1607 vom Seefahrer Henry Hudson erstmals erkundet. Vereinzelt auch von dänischen und holländischen Walfängern, als ihre Fanggründe in Spitzbergen und Jan Mayen zu versiegen begannen. Der Brite Douglas C. Clavering, Kapitän der Griper, überlieferte 1823 eine Begegnung mit zwölf Inuit in Nordost-Grönland. Sie endete dramatisch: Nachdem einer der weissen Männer einen Inuk dazu überredet hatte, eine Pistole abzuschiessen, floh die Gruppe. Sie gehörten einer Population an, die von Nordwest-Grönland, den Nordteil der Insel durchquerend, die Küste Ostgrönlands besiedelt hatte. Seit dieser Begegnung gilt sie als ausgestorben.

Die wissenschaftliche Erforschung Ost-Grönlands setzte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch deutsche, dänische und schwedische Expeditionen ein. Im 20. Jahrhundert prägte der Däne Lauge Koch sie jahrzehntelang. Geboren im Jahr 1892, verschrieb sich der promovierte Geologe der Erforschung Grönlands. Das Ziel seiner von ihm geleiteten Expeditionen in den Jahren von 1926 bis 1958 war die geologische und topographische Untersuchung und Kartierung von Nordost-Grönland. Nur vom 2. Weltkrieg unterbrochen, wurden die Expeditionen grosszügig mit Mitteln und Personal ausgestattet. Die Wissenschafter untersuchten in kleinen, autonom operierenden Gruppen den Untergrund entlang der weitverzweigten Fjordsysteme und die zahlreichen Inseln. Am Ende des Sommers, nach sechs bis acht Wochen, zogen sie wieder ab. Zwischen 1932 und 1958 nahmen auch rund 80 Schweizer Wissenschafter an den Lauge-Koch-Expeditionen teil. Auf der Grundlage ihrer Forschungen entstanden zahlreiche Dissertationen, und oft war es auch der Beginn von steilen Karrieren. 

Station Eskimonæs im Winter 1938/39
So etwa die von Eduard Wenk und Augusto Gansser: Beide waren nach ihren Arbeiten in Grönland auf der ganzen Welt in der Rohstoffexploration tätig und erhielten später Lehrstühle für Geologie an den Universitäten von Basel und Zürich sowie an der ETH Zürich; Wenk wurde 1970 auch Rektor der Universität Basel. Oder der um eine Generation jüngere Erdhart Fränkl, der während der Sommer von 1948 bis 1953 in Nordost-Grönland arbeitete und auch einmal überwinterte. Danach war er in Südamerika und Afrika tätig; seine Karriere beendete er als Chefgeologe des Shell-Konzerns.Wichtigstes Ergebnis dieser Expeditionen war die im Jahr 1965 veröffentlichte geologische Karte Nordost-Grönlands. Der Basler John Haller kompilierte sie während eines Jahrzehnts aus den Ergebnissen Dutzender Untersuchungen. Haller wurde später Professor für Geologie an der Harvard University.

Die Habitués an der Küste Nordost-Grönlands waren jedoch dänische und norwegische Trapper. Sie stellten dem arktischen Fuchs sowie dem Eisbär nach. Für die Überwinterung errichteten sie Wohnstationen sowie knapp dreihundert Hütten, die sie für ein oder zwei Nächte während ihrer Reisen mit Hundeschlitten benutzten. Von Oktober bis etwa Ende Juni fuhren sie auf dem gefrorenen Meer regelmässig ihre Routen entlang der Küste ab. Dabei legten sie mit Strychnin versetzte Köder aus und kontrollierten die aus Treibholz erbauten und mit Steinen beschwerten Fallen. Die Füchse wurden darin, ihr Fell schonend, erschlagen. Meistens boten die temporär genutzten Unterkünfte nur gerade Platz für einen auf ein paar Holzplanken ausgerollten Schlafsack aus Rentierfell und für einen gusseisernen Ofen.

Für die norwegischen Seehund- und Walrossjäger waren bis Ende des 19. Jahrhunderts der Archipel Svalbard (Spitzbergen) und die Insel Jan Mayen die traditionell genutzten Fanggebiete. Als im Juli 1889 eine kleine Flotte erfolglos westlich von Svalbard kreuzte, entschloss sich der 31jährige Ragnvald Knudsen, die Hekla mit der 48köpfigen Mannschaft nach Ostgrönland zu dirigieren. Aufzeichnungen früherer Expeditionen hatte er entnommen, dass dort die Chancen für Beute gut sein könnten. Nach der Rückkehr des Schiffs am 28. August wurde in Hammerfest folgende Ladung gelöscht: 1‘000 Fässer mit Blubber, über 3‘500 Seehunde, das Fleisch von 267 Walrossen, 220 Kilogramm Elfenbein ihrer Hauer, neun Eisbärenfelle sowie das Fleisch und die Decken von 24 Moschusochsen. Diese Sensation verbreitete sich rasch. Bis ins Jahr 1931 suchten norwegische Fängerschiffe noch 124 Mal die Küste Nordost-Grönlands auf.

Fänger operierten von Schiffen aus. Waren die Verhältnisse gut, fuhren sie den Eiskanten entlang, um Jagd auf Robben und ihre Widersacher, die Eisbären, zu machen. Waren die Verhältnisse nicht gut, lavierten sie tage- oder wochenlang im Treibeis und im Nebel. Manchmal stiessen sie an Stränden auch auf schlafende Walrosse. Dann wurden zuerst diejenigen Tiere erschossen, welche der Strandlinie entlang lagen. So war den hinter ihnen liegenden Tiere die Flucht ins Meer verwehrt. Diese Methode erklärt die gelegentlich enorm hohen Zahlen erbeuteter Tiere. Magnus K. Giæver aus Tromsø begann anfangs des 20. Jahrhunderts für gutbetuchte Touristen Jagdsafaris nach Nordost-Grönland anzubieten. Die Idee wurde kopiert, doch mit dem Beginn des 1. Weltkriegs kam dieses Geschäft zum Erliegen. Für die Felle des arktischen Fuchses bestand damals ebenfalls eine Nachfrage. Vom Schiff aus konnte sie jedoch nicht gejagt werden. Eigner und eigens dafür gegründete dänische und norwegische Firmen begannen damit, im Sommer einzelne Jäger oder kleine Mannschaften an der Küste abzusetzen und Unterkünfte zu bauen. Die Bedeutung dieses Geschäfts ist bezifferbar: Zwischen 1908 und 1960 erbeuteten 527 Trapper etwa 20‘000 Füchse und 571 Eisbären.

Für gebildete Bürger in Mitteleuropa stand damals ausser Frage, dass Dänemark die Hegemonie über ganz Grönland ausübte. Schliesslich hatten die Dänen vor zweihundert Jahren damit begonnen, den Ureinwohnern den rechten Glauben zu vermitteln und Handel mit ihnen zu treiben; Zucker, Kaffee, Baumwollstoff, Holz und Waffen wurden gegen Felle eingetauscht. Für Norwegen war der Status Nordost-Grönlands jedoch nicht geklärt und mit der zunehmenden Nutzung dieses Gebiets spitzte sich diese Frage zu. Am 29. Juni 1931 hissten fünf Norweger im Namen ihres Königs Hakoon VII die norwegische Flagge in Myggbukta. Orchestriert von der Presse und Politikern, reklamierten sie ein Gebiet vom 71. bis zum 75. Breitengrad als „Eirik Raudes Land“. Die Regierung Dänemarks sah sich darauf herausgefordert und brachte den Fall vor den Ständigen Internationalen Gerichtshof in Den Haag. Nach Anhörungen und Beratungen entschied das Gericht im Frühjahr 1933, dass Dänemark die Herrschaft über ganz Grönland ausüben solle. Dänemark gelang dies jedoch nicht lange, denn nach dem deutschen Überfall im Frühjahr 1940 wurden praktisch alle Verbindungen nach Grönland unterbrochen. Der dänische Botschafter in den USA unterzeichnete in Washington ein Jahr danach ein Abkommen, das den USA die Verteidigung Grönlands und die Einrichtung von Luftwaffenstützpunkten erlaubten. Dem für die Herstellung von Aluminium benötigten Mineral Kyrolith, das an der westgrönländischen Küste abgebaut wurde, massen die Alliierten strategische Bedeutung zu.

Der Ostküste kam aus einem anderen Grund kriegsentscheidende Bedeutung zu: Mit den Wetterdaten von dort konnten Prognosen für den gesamten Nordatlantik erstellt werden. Um Versuche der Deutschen abzuwehren, mit Schiffen oder U-Booten Mannschaften dort abzusetzen und Wetterstationen einzurichten, wurde 1941 die Nordøstgrønlands Slædepatrulje gegründet. Sie setzte sich aus neun Dänen und einem Norweger zusammen: Trapper, die das mehr als tausend Kilometer lange Gebiet, das zu überwachen war, bestens kannten. Ausgerüstet und logistisch unterstützt wurden sie von den amerikanischen Streitkräften. Die Befürchtungen der Amerikaner bewahrheiteten sich kurze Zeit später, als deutsche Truppen sich dort einzunisten versuchten. Nach dem 2. Weltkrieg stillgelegt, wurde diese Fernspäh-Einheit 1950 von der dänischen Marine unter grösster Geheimhaltung erneut aktiviert. Seit 1953 unter dem Namen Slædepatruljen SIRIUS, geniesst diese Truppe mit eigener Hundezucht bis heute einen legendären Nimbus. Erich Schmidt Mikkelsen leistete Ende der Siebzigerjahre Dienst bei dieser Einheit.

In einführenden Kapiteln dokumentiert er die Entdeckungs, Erforschungs- und Wirtschafts-Geschichte Nordost-Grönlands. Statistiken weisen die wirtschaftliche Bedeutung auch quantitativ aus. Der Hauptteil der über 500 Seiten umfassenden, lesefreundlich zweispaltig gesetzten und in hervorragender Qualität gedruckten Monographie ist den Überwinterungs-Stationen der Trapper und Forscher gewidmet: Alabamahuset, Dødemandsbugten, Nordfjordhuset oder Zackenberg sind einige ihrer klingenden und sprechenden Namen.

Station Kulhus im Jahr 2004
In einem weiteren Kapitel sind sämtliche Bauten systematisch beschrieben: Koordinaten, ihr Name, durch wen und wann sie erbaut wurden, die genaue topographische Lage und der bauliche Zustand, Grundmasse und Einrichtung. Stets ist auch der Kontext ihrer Erbauung und Nutzung erfasst. Aktuelle Innen- und Aussenaufnahmen der Hütten und ihrer Umgebung, ergänzen dieses denkmalpflegerische Inventar. Einige alte Materialdepots und Relikte bergbaulicher Unternehmungen sind in einem weiteren Abschnitt dokumentiert. Das Buch schliesst ab mit einem Abkürzungsverzeichnis, mit einem Wörterbuch topographischer Begriffe in Dänisch und Norwegisch und ihrer Übersetzung ins Englische, Verzeichnissen der verwendeten Literatur, der Quellen sowie der Belegstellen. Den gezielten Zugriff auf den Inhalt ermöglichen mehrere Register sowie vier Karten, auf denen die Stationen und Hütten sowie die dänischen und norwegischen Territorien eingezeichnet sind.

Im Sommer 1989 unternahm Schmidt Mikkelsen mit Freunden eine Kajakexpedition von Daneborg, einem Stützpunkt der Sirius-Patrouille, nach dem etwa 260 Kilometer südlicher gelegenen Mestersvig, einer aufgelassenen Bleimine. Während den Vorbereitungen begann er in Büchern danach zu forschen, durch wen und wann die Hütten erbaut worden waren, denen sie auf ihrer Reise begegnen würden. Von seinen früheren Reisen waren sie ihm zwar vertraut, doch wusste er kaum etwas über ihre Geschichte. Neben den zahlreichen Zeltplätzen der Ureinwohner sind es die einzigen Spuren menschlicher Tätig-keit in den immensen Landschafträumen. Nach seiner Rückkehr weitete er seine Nachforschungen auf dänische und norwegische Archive aus. Dort wertete er Archivalien, Tage- und Logbücher aus und begann Kontakte zu ehemaligen Trappern und anderen Oldtimern in Dänemark und Norwegen zu knüpfen, die „dort oben“ gelebt hatten. Bei der ersten Kontaktnahme am Telefon fielen ihre Reaktionen oft identisch aus: “Nordost-Grönland? Ja, dort verbrachte ich die besten Jahre meines Lebens.“ Mit fünf weiteren dänischen Nordost-Grönland-Enthusiasten gründete Schmidt Mikkelsen 1991 die Non-Profit-Organisation Nanok. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Wissen um Nordost-Grönland und seine Kulturgeschichte bekannt zu machen und einen Beitrag zur Erhaltung der vom Zerfall bedrohten Bauten zu leisten. Seither restaurieren jeden Sommer ehrenamtlich tätige Teilnehmer diese Bauten. Finanziell unterstützt werden sie dabei von der im Natur- und Tierschutz tätigen Stiftung Aage V. Jensens Fonde.

Die Ergebnisse der Recherchen Peter Schmidt Mikkelsens wurden erstmals 1994 in Dänemark veröffentlicht. Weil das Buch eine gute Aufnahme fand, erschien es überarbeitet 2001 erneut. Mit Unterstützung der grönländischen Selbstverwaltung wurden durch 20 Nanok-Mitarbeiter zwischen 2003 und 2007 die Daten aller Bauten systematisch erhoben und fotografisch dokumentiert. Sie sind in die 2008 erschienene englische Ausgabe aufgenommen worden. Reisende können daraus auch einen ganz praktischen Nutzen ziehen: Zu jeder Hütte sind die mit einem GPS ermittelten Koordinaten angegeben.

Um Arbeit als Trapper in Nordost-Grönland zu finden, waren offenbar keine speziellen Qualifikationen erforderlich. Manche der teilweise blutjungen Männer arbeiteten vorher als Gehilfen in Warenhäusern oder in Büros. Unternehmungslust, Mut und die Bereitschaft zu einem zwar weitgehend selbstbestimmten, aber einfachen Leben unter harschen Bedingungen, scheinen wichtiger gewesen zu sein. Nicht jedem behagte jedoch das einsame und raue Leben, denn manche traten nach ein, zwei Jahren die Heimreise an. Wer die Stationen im Winter bewohnte, geht jeweils im ersten Abschnitt zu den Darstellungen der Stationen hervor. Wollte man dort jedoch längere Zeit überleben, war Erfahrung eminent wichtig. Doch auch sie konnte versagen: Als der Norweger Gerhard „City“ Antonsen, der schon mehrere Male allein überwintert hatte, im Winter 1938/39 während eines Schneesturms routinemässig die Tür seiner Hütte im Granta Fjord mit dem Messer zusperren wollte, sprang es ihm ins Auge. Zur Tradition unter den Trappern war es geworden, sich um das Jahresende gegenseitig zu besuchen. Aus diesem Grund wurde der Schwerverletzte von dänischen Trappern entdeckt, worauf eine Rettungsaktion zwischen den Besatzungen zweier Stationen einsetzte.

Geologe Adolf Ernst Mittelholzer im Frühjahr 1939
Auf einer davon, Eskimonæs, lebten auch zwei Schweizer: Der promovierte Geologe Adolf Ernst Mittelholzer und sein Assistent Peter Bachmann; es waren die letzten Schweizer, die sich vor dem 2. Weltkrieg in Nordost-Grönland aufhielten. Antonsen überlebte und kehrte im Sommer darauf als wohlhabender Mann nach Oslo zurück. Dort unterzog er sich einer Operation und brachte darauf sein Geld „unter die Leute“. Erst 45 Jahre alt, wurde sein Leben an der Pazifikküste, wo er als Holzfäller arbeitete, 1945 von einem Baum ausgelöscht.

Drei Frauen arbeiteten auch als Trapper. „Das ist das Ende aller Rekordfänge“ rief ein Trapper aus, als er hörte, dass die 28jährige Petra Winther im Jahr 1939 zu ihrem Mann auf die Station Hoelsbu gezogen war. Tatsächlich fielen die Fänge höchst unterschiedlich aus. Im Rekordwinter 1937/38 erbeuteten norwegische Trapper gut 2‘000 Füchse. Auf den Fotos, viele davon aus privater Hand, sind etwa die Strecken mit schneeweissen Fellen zu sehen, die an Leinen zum Trocknen vor den Stationen aufgehängt sind. Auf einem anderen posieren zwei Trapper vergnügt vor der Kamera; in ihrer Mitte ist ein Apparat zur Herstellung von Brantvin aufgebaut.

„Der Raum ist wichtiger als die Zeit.“ Dieses Diktum des deutschen Geographen und Begründers der Geopolitik Karl Haushofer stellte Fernand Braudel an den Anfang seiner Vorlesung über Geohistorie, die er in einem deutschen Gefangenenlager für Offiziere in Lübeck im Jahr 1941 hielt. Während einer relativ kurzen Zeitspanne öffnete sich in Nordost-Grönland ein Fenster, wo sich eine bestimmte Art von Menschen an eine Umgebung mit spezifischen Bedingungen anpasste. Sie fanden dort ein wirtschaftliches Auskommen. Ein soziales Netz wurde gesponnen und eine eigene Kultur bildete sich heraus. Als um 1960 die Nachfrage nach Fuchsfellen zurückging, zogen die Trapper von dort weg. Mit dem 1974 deklarierten Nationalpark – der nur unter strengen Auflagen der Behörden betreten werden darf – schloss sich dieses Fenster ganz. Denkbar ist, dass es in der Zukunft erneut aufgestossen wird. Im Grund der Grönlandsee werden grosse Erdölreserven vermutet. Die Nachfrage nach Rohstoffen ist gross, und wertvolle Erze werden auch im Untergrund des „sechsten Kontinents“ vermutet. Auf der Agenda der beiden Regierungschefinnen Grönlands und Dänemarks steht die Frage, ob in Grönland Uran abgebaut werden darf oder nicht: Die Verfassung Dänemarks verbietet dies, das Parlament Grönlands stimmte dem Abbau im vergangenen Herbst zu.

Assistent Ernst Bachmann im Frühjahr 1939
Links
Das Buch kann für £ 45 beim Scott Polar Research Institute in Cambridge bezogen werden  http://www.spri.cam.ac.uk/shop/books/arcticexploration.html oder auch bei Nanok. Dort sind auch die jährlichen Rechenschaftsberichte veröffentlicht http://www.xsirius.dk/nanok.html

Literatur
Braudel, Fernand: Geschichte als Schlüssel zur Welt. Vorlesungen in deutscher Kriegsgefangenschaft 1941. Herausgegeben von Peter Schöttler. Stuttgart 2013.  

Abbildungsnachweis
1. Station Eskimonaes. Sie wurde im März 1943 vom deutschen Marinewetterdienst niedergebrannt und das Gelände zwei Monate später vom US Army Air Corps bombardiert. Nachlass Adolf Ernst Mittelholzer. Kontaktabzug auf Barytpapier (ca. 55 x 55 mm). Polararchiv Schweiz. - 2. Station Kulhus. Aufnahme im besprochenen Buch auf Seite 351. Copyright: North-East Greenland Company Nanok. - 3. Geologe Adolf Ernst Mittelholzer im Frühjahr 1939. Nachlass Adolf Ernst Mittelholzer. Kontaktabzug auf Barytpapier (ca. 55 x 55 mm). Polararchiv Schweiz. - 4. Assistent Ernst Bachmann im Frühjahr 1939. Nachlass Adolf Ernst Mittelholzer. Kontaktabzug auf Barytpapier (ca. 55 x 55 mm). Polararchiv Schweiz.

Mittwoch, 16. April 2014

Guido Baselgia - Light Fall

Zwischen 2006 und 2014 fotografierte der Oberengadiner Fotograf Guido Baselgia in Norwegen, Feuerland, Ecuador und in den Schweizer Alpen Landschaften und Himmel im wechselnden Licht der Gestirne.

Light Fall 40 -  Durch die Mitte des Tages 20. November 2011, N69°, 2014 - Gelatin silver print on baryta paper, 96 x 120 cm























Baselgia setzte bereits mit seiner 2004 erschienenen Monographie "Weltraum" mit Aufnahmen von den winterlichen Küsten im Norden Finnlands und Norwegens einen Meilenstein in der Landschaftsfotografie.

Galerie Andres Thalmann (Zürich) http://www.artnet.de/galerien/galerie-andres-thalmann/k%C3%BCnstler-guido-baselgia/. Verlag Scheidegger & Spiess http://www.scheidegger-spiess.ch/index.php?lang=en&page=books&view=co&booktype=order_1_releasedate&subject=1&artist=all&author=all&pd=ss&book=544. Bruno Baselgia http://www.baselgia.ch/ Siehe auch Neue Zürcher Zeitung (NNZ) vom 16.4.2014 sowie http://polararchiv.blogspot.ch/2014/03/the-eagle-has-landed-oder-wozu-ein.html

Die Ausstellung bei Andres Thalmann ist noch bis zum 3. Mai 2014 zu sehen.

Samstag, 12. April 2014

"Antarctic Penguin Expedition 2013-2014". Oder: Schweizer Jugend forscht

Für ihre Matura-Arbeit über Pinguine reiste die 17jährige Gymnasiastin Janine Wetter von der Kantonsschule Zürcher Oberland in Wetzikon im Winter/Sommer 2013/14 mit Unterstützung von Sponsoren in die Antarktis http://janinewetter.ch/

Zur Webseite der vom Wissenschafter Adolf Portmann (1897-1982) gegründeten Stiftung "Schweizer Jugend forscht" http://sjf.ch/

Mittwoch, 9. April 2014

Extrembergsteigen trifft Wissenschaft - 75 Jahre Stiftung für alpine Forschung (SSAF)

"Rund ein Dutzend Expeditionen wurden von der Schweizerischen Stiftung für Alpine Forschung (SSAF) mit dem Ziel der Erschliessung der Gebirge ausserhalb Europas von 1939 bis 1956 in der Himalayaregion organisiert. Heute betreibt die SSAF Forschungsvermittlung und setzt sich für die Förderung einer lebenswerten Bergwelt ein." (Pressetext)

Hier ergänzt werden soll, dass die vom Unternehmer Karl Weber (er war u.a. Direktor der legendären "EPA", der Einheitspreis AG) mitbegründete und finanzierte Stiftung, pionierhaft - neben den Akademischen Alpenclubs in Zürich, Bern und Basel - auch mehrere Expeditionen in den Hohen Norden ausrichtete. Auch deren Ergebnisse fanden in der von der Stiftung herausgegebenen Buchreihe "Berge der Welt" ihren Niederschlag. Die opulent ausgestatteten Bände wurden auch auf Englisch und Französisch publiziert.

Die sehr ansprechend gestaltete Festschrift kann hier bestellt werden: http://www.alpinfo.ch/de/news/. Biographische Angaben zu Karl Weber sind im Historischen Lexikon der Schweiz zu finden: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D44277.php








Mittwoch, 19. Februar 2014

Autor, Übersetzer, Ethnograph und Sammler: Hans Ulrich Schwaar (1920-2014)

Am 3. Februar 2014 ist der Emmentaler Hans Ulrich Schwaar in Lappland verstorben. Bereits vor drei Jahren wurde sein Leben und Werk im Historischen Lexikon der Schweiz von Carmen Furger gewürdigt: 

*31.1.1920 Sumiswald, ref., später Freidenker, von Oberlangenegg, Ehrenbürger von Langnau im Emmental. Sohn des Christian und der Anna geb. Wiedmer. Ledig. Primarlehrerausbildung am Seminar Muristalden in Bern, Stud. an den Univ. Basel und Neuenburg mit Diplomabschlüssen in Französisch und Sport. 1954-82 Lehrer in Trubschachen, Gohl und Langnau. Schon während seiner Zeit als Lehrer im Emmental begann S., Werke von Charles Ferdinand Ramuz ins Berndeutsche zu übertragen und berndt. Geschichten und Gedichte zu schreiben ("Ämmegrien" 1979). Nach 1982, als er v.a. in Lappland lebte, kamen Übersetzungen von Sagen, Liedern und Gedichten aus dem Finnischen, Schwedischen und Norwegischen sowie Aufzeichnungen (u.a. "Farinet in Lappland" 2003) und ethnograph. Werke über Lappland (u.a. "Näkkälä" 2006) hinzu. Aus der Beschäftigung mit den Illustratoren von Ramuz' Werk entstand eine Kunstsammlung (Stiftung Hans Ulrich Schwaar), der später eine Sammlung sam. Künstler in Inari (Lappland) folgte. 1982 und 1992 Literatur- bzw. Kulturpreis des Kt. Bern, 1988 Ritterorden der Weissen Rose für seine Verdienste um die finn. Kultur. HLS: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D12273.php

Nachrufe sind erschienen in der Bernerzeitung http://www.bernerzeitung.ch/region/emmental/In-Lappland-fand-er-seine-ewige-Heimat/story/20075079, im Bund http://www.derbund.ch/kultur/buecher/Kunstsammler-und-Schriftsteller-HansUlrich-Schwaar-verstorben/story/22774523 sowie im Unter-Emmentaler http://www.schuerch-druck.ch/pages/de/Online.html&archiv=0&offset=0&such_text=&artikel=3912.

Ein Teil seines literarischen Werks ist im Verlag Waldgut greifbar http://www.waldgut.ch/e35/e694/e624/, der Film Näkkälä von Peter Ramseier bei Artfilm.ch https://www.artfilm.ch/naekkaelae-von-peter-ramseier-auf-vod&lang=de

Mittwoch, 29. Januar 2014

Alfred und Gisela Andersch: "Sie macht etwas im Raum, ich in der Zeit." - Ausstellung im Museum Strauhof Zürich

Alfred Andersch war ein grosser und leidenschaftlicher Reisender: «Der Ort, den Alfred Andersch bei seinen Aufbrüchen in die Welt suchte, war die Wildnis, weil er nur dort sich allein und frei fühlen und an Gott und das Nichts denken konnte. (...) Der grösste Traum im Leben Anderschs galt einer Reise nach Spitzbergen.

Skandinavien hatte er früh kennengelernt, war 1953 mit Gisela Andersch durch Lappland, 1956 durch Schweden und 1961 durch Norwegen mit dem Rucksack gewandert, berauscht von der Fremde und der Einsamkeit, so dass er sich im Buch Wanderungen im Norden in Henry David Thoreaus Satz spiegelte: `In solchen Zeiten der Einsamkeit und des Fremdseins gedeih' ich wie das Maiskorn in der Nacht.‘“ (Christian Linder) Das Reisebuch Wanderungen im Norden, das 1963 erschien, lebt stark von den farbigen und zum Teil abstrakten Natur-Fotografien von Gisela Andersch, die zwischen die einzelnen Erzähltexte eingestreut wurden. Überhaupt hatte die Malerin das Medium der Fotografie mit ihrer neuen Rolleiflex (Mittelformat) neu für sich entdeckt, nachdem es vorher stets Alfred Andersch gewesen war, der mit seiner Leica-Kleinbildkamera - u.a. 1954 auf den Liparischen Inseln - fotografiert hatte.

Umschlag der Erstausgabe von 1969
1965 reisten die Anderschs im Auftrag des Deutschen Fernsehens nach Spitzbergen und in die Arktis, wo Alfred Andersch mit Martin Bosboom den Film Haakons Hosentaschen drehte. Das zweite Ergebnis dieser Reise war das Buch Hohe Breitengrade oder Nachrichten von der Grenze (1969). Auch dieses Mal nahm sich Andersch der «verluderten Gattung Reisebeschreibung an und statuierte ein Exempel.» (Manuel Gasser)

Seine eigenwilligen, naturwissenschaftlich immer exakten Schilderungen geleiten uns an die Grenze des Packeises. Er berichtet nicht nur Selbsterlebtes, er versucht auch den Geist der Polarforschung in Gestalten wie Nansen und Amundsen neu zu deuten, indem er ihre Erlebnisse, ihre Begegnungen mit diesem unberührten Teil der Welt schildert. Die Farbtafeln von Gisela Andersch setzen die mit Worten eingefangene Atmosphäre Spitzbergens in Bilder um, bestätigen den Bericht. Vor sogenannten Motiven klappte sie die Kamera «entmutigt und entschlossen zu, weil sie keine Ansichtskarten fotografieren wollte.» (Aus dem Begleittext zur Ausstellung)

Die beiden Bücher "Wanderungen im Norden" und "Hohe Breitengrade" sind vergriffen. Sie lassen sich jedoch bei www.zvab.com antiquarisch beschaffen. Oder in Bibliotheken ausleihen.

Die Ausstellung ist noch bis zum 2. März 2014 zu sehen.

Eine zeitgenössische Rezension des Buchs "Hohe Breitengrade" ist unter http://www.zeit.de/1969/48/zu-einem-misserfolg nachzulesen.

Freitag, 24. Januar 2014

Beat Schweizer - "Диксон быт / An der Frostgrenze (Ausstellung im PhotoforumPasquArt, Biel)

Aus der Serie Dikson. Copyright Beat Schweizer


























„Birgt das Leben in der nördlichsten Stadt Sibiriens eine Anomalie? In Zusammenarbeit mit dem Berner Schriftsteller Urs Mannhart hat Beat Schweizer einen fotografischen Essay über Dikson, die ehemalige 'Hauptstadt der Arktis' und Überlebende des Untergangs der kommunistischen Welt verwirklicht.“ (PhotoforumPasquArt)

Vernissage: Samstag, 1. Februar 2014, 17 Uhr. Die Ausstellung dauert bis zum 20. April 2014.

Link zur Ausstellung: http://www.photoforumpasquart.ch/index.php?id=4&lang=de&eid=114
Beat Schweizer: http://www.beatschweizer.com/

Siehe in diesem Blog auch "Sozialismus tiefgekühlt." (12. November 2013)

Montag, 20. Januar 2014

Landschaften Islands und Grönlands in Aquarellmalerei (Ausstellung von Thomas Häberle)

"Mein Beruf ist Geographielehrer. Mit Spezialgebiet Geomorphologie habe ich mich mit den Formen verschiedenster Landschaft auseinandergesetzt. Im Jahre 1975 reise ich erstmals nach Island und war sehr berührt von dieser unglaublichen Insel unter dem Polarkreis. Immer wieder musste ich hinauf in den Norden, die Insel, ihre Landschaften und Menschen liessen mich nicht mehr los." (Thomas Häberle)


Abend am Eyjafjallajökull














Die Aquarelle sind ab Januar 2014 ein Jahr lang in den Räumen der Firmen Wanner AG Solothurn, GeoMIT GmbH und Wanner Expert GmbH an der Dornacherstrasse 29 in 4501 Solothurn ausgestellt. Für eine Besichtigung wird um eine Terminabsprache bei Herrn Piet Ouwehand (Wanner AG Solothurn, Telefon 032 625 75 75) gebeten.

Samstag, 11. Januar 2014

Greenland 100 years ago. Hand-colored photos from 1909 and 1912 (Neuerscheinung)

Als der der junge Geologe Arnold Heim (1882-1965) im Sommer 1909 nach Grönland reiste, um zusammen mit dem dänischen Geologen Jesper Peter Ravn (1866-1951) die Nuussuaq Halbinsel und den Uummannaq Fjord hautptsächlich auf Kohlevorkommen geologisch zu untersuchen, führte er auch eine Fotoausrüstung mit. Auf seiner Reise belichtete Heim mehr als 700 Glasplatten, die heute im Bildarchiv der ETH-Bibliothek in Zürich sowie im Arktischen Institut in Kopenhagen archiviert sind.

Anfang August 1909 traf Arnold Heim auch Alfred de Quervain (1879-1927) während einiger Tage. Zusammen mit Emil Baebler und August Stolberg hatte dieser im Juli einen dreiwöchigen Vorstoss auf das Inlandeis unternommen. Drei Jahre später gelang de Quervain dann zusammen mit drei Kameraden die Überquerung des Inlandeises von der West- zur Ostküste. Auch er führte eine Fotoausrüstung mit, zusätzlich machte er 1912 noch Filmaufnahmen.   

Der Däne Erik Torm, früher als Schulleiter und -Entwickler tätig und heute in kulturellen Projekten in Dänemark, der Slowakei und in Grönland engagiert, hat nun eine Auswahl der Aufnahmen von Heim und de Quervain zusammengestellt und sie in Buchform veröffentlicht. Die beiden Wissenschafter interessierten sich nämlich nicht nur für ihr eigenes Fach, sondern auch lebhaft für die Lebensweise der Grönländer. So zeigen zahlreiche ihrer Fotografien die Bekannten und Helfer, denen sie auf ihren langen Reisen begegnet sind. Den besonderen Reiz dieser Bilder macht aus, dass sie für Vortragszwecke nachträglich von einem Spezialisten von Hand koloriert wurden.

Neben einem Aufsatz in englischer und französischer Sprache über die drei Expeditionen aus der Hand Erik Torms sind dem Buch mit harten Deckeln und fadengehefteten Seiten auch Fotografien von ihm selbst beigegeben, die in den letzten drei Jahren entstanden sind. Diese zeigen jeweils genau den Ausschnitt einer Szenerie oder Landschaft vom Standort aus, wo Heim und de Quervain ihre Aufnahmen machten.

Verlegt wird dieses Buch und ein weiteres, das anlässlich der Wanderausstellung zum Hundertjahr-Jubiläum der Überquerung des Inlandeises durch Alfred de Quervain vor einem Jahr erschienen ist, vom Uummannaq Polar Institute. Dort ist auch die Kontaktadresse für den Bezug der beiden Bücher angegeben. Der Erlös aus den beiden Büchern kommt dem Kinderheim in Uummannaq zugut.

Uummannaq Polar Institute http://www.upi.gl/

Montag, 25. November 2013

"Xavier Mertz. Verschollen in der Antarktis" - Buchvernissage und Ausstellungseröffnung

Dem ersten Schweizer, der die Antarktis als Teilnehmer einer australischen Expedition bereisen konnte, Xavier Merz (1882-1913), Jurist und Schweizer Meister im Skilaufen, ist ein zweibändiges Buch gewidmet, dessen Erscheinen gleichzeitig mit der Eröffnung einer Fotoausstellung im Naturhistorischen Museum Basel am Freitag, 19. November 2013 gefeiert wurde.

Echzeit Verlag http://www.echtzeit.ch/buecher.php?id=239
Autoren http://www.echtzeit.ch/buecher.php?id=239&s=2

"Xavier Mertz. Verschollen in der Antarktis. Fotografien eines Abenteuers." Fotoausstellung: 30. November 2013 bis 30. März 2014. Zusammenarbeit: Naturhistorisches Museum Basel, Staatsarchiv Basel-Stadt und Echtzeit Verlag. http://www.nmbs.ch/home/ausstellungen/archiv/xavier-mertz.html

 
Verschnaufpause im antarktischen Herbst 1912, Fotograf Xavier Mertz, Staatsarchiv BS, AL 48, 1-21

Samstag, 23. November 2013

Captain Margrith Ettlin

Der ersten Schweizerin mit einer Hochsee-Kapitänslizenz ist am 7. August 2013 in Reykjavik das Kommando für das Expeditionsschiff Silver Explorer übertragen worden. Für Silversea Expeditions befährt die Pfäffikonerin das Luxus-Kreuzfahrtschiff der Eisklasse A1 (Zulassung bis bis 0,8 m Eisdicke) auch die Gewässer der Arktis und Antarktis.

Silversea http://www.silversea.com/expeditions/meet-team/captains/?staff=16835
SRF: http://www.srf.ch/sendungen/aeschbacher/ja-das-leben

Mittwoch, 20. November 2013

Arktis und Antarktis in Schweizer Schul- und Kinderzimmern (Teil 1), von Stefan Kern

Wie es dazu gekommen sei, dass ich mich ausgerechnet für die Polargebiete und deren Entdeckungsgeschichte interessiere, wurde ich schon mehrmals gefragt. Mit Reisen in die Alpen begann es. Darauf ging's in den Norden. Später ergab dann das Eine das Andere. Soviel zur Rekonstruktion oder "Erinnerungsarbeit". Doch was hatte eigentlich den Anstoss dazu gegeben? Lange blieb das im Dunkeln. Eines Tages drückte mir meine Mutter die Ikonen meiner Kindheit in die Hand: einen Stapel mit Kinder- und Jugendbüchern. 

Inhalt von Bubenträumen (SJW 931)
Der Umschlag eines Heftchens, das sich darunter befand und das ich mit sieben oder acht Jahren bekommen hatte, rief mir schlagartig ins Bewusstsein, dass dieses Heft wohl die Zündung für diesen Spleen ausgelöst hatte. Wer kennt sie nicht, die SJW-Hefte!

"Die unendlichen Mühen und Leiden Nansens und seines Gefährten, ihr dreijähriger Kampf in Nacht und Eis, lesen sich, wie wenn sich das grosse Abenteuer im letzten Winter abgespielt hätte. So plastisch vermag die Autorin die weltberühmt gewordene Heldenfahrt darzustellen. Das Heft schenkt echteste und wahre Lesenahrung für abenteuerbegeisterte Knaben und auch Mädchen." So die wohl an Lehrer und Eltern adressierten Worte auf der Rückseite des 1966 veröffentlichten Hefts, das von Mary Lavater-Sloman (1891-1980) verfasst und von Werner Hofmann mit Federzeichnungen illustriert worden war.

Mythos Nord- und Südpol
Hier soll gezeigt werden, wie einer der Mythen des 20. Jahrhunderts, die Entdeckung und Erforschung der Polargebiete, in Schweizer Kinderzimmer und Schulstuben "transportiert" wurde. In einem später erscheinenden Beitrag sollen dann Kinderzeichnungen gezeigt werden, in denen sich dieser Mythos ebenfalls seinen Niederschag gefunden hat. Und auch, wie dieses Thema in der Schulstube vermittelt wurde. Ein Anspruch auf den vollständigen Nachweis aller in der Schweiz erschienenen Publikationen oder auf eine erschöpfende Behandlung des Themas, soll nicht erhoben werden. So liesse sich der Frage nachgehen, welche Werte in diesem Genre vermittelt werden sollten. Entschluss- und Tatkraft, Leidensfähigkeit und Durchhaltevermögen?

... und geplatzte Träume von Männern (SJW 353)
An der Biographie des Autors Ernst Jüngers (1895-1998) lässt sich beispielhaft ablesen, welche Triebkraft die aus Lektüre gewonnene Imagination freisetzen kann: Dem Vielleser war im Knabenalter Stanleys "Im dunkelsten Afrika" von der Grossmutter zum Geburtstag geschenkt worden. "Dass es noch Wildnisse gab, die nie ein Fuss beschritten hatte: dies zu wissen, bedeutete für mich ein grosses Glück."

Achtzehnjährig geworden, bereitete sich der Gymnasiast während der Sommerferien 1913 auf die klimatischen Bedingungen in Afrika vor, indem er die sonnigen Stunden im elterlichen Gewächshaus verbrachte, wo es "infernalisch heiss und schwül" wurde, wie sich der jüngere Bruder Friedrich Georg erinnert hat. Drei Monate später, nachdem Ernst Jünger die Grenze zu Frankreich überwunden hatte, meldete er sich bei der Fremdenlegion in Verdun. Kaum in der algerischen Garnison Sidi-Bel-Abbès angekommen, nutzte er die erstbeste Gelegenheit und floh nach Marokko. Denn von dort aus wollte er seinen Traum von einem freien und abenteuerlichen Leben in Afrika verwirklichen. Der Versuch misslang kläglich und nach seiner Gefangennahme wurde er mit Kerker bestraft. Juristische und diplomatische Interventionen ermöglichten ihm einige Wochen später die Heimkehr ins elterliche Haus in Rehburg. Noch in Afrika erreichte Jünger ein Telegramm seines Vaters; darin der Satz: "LASZ DICH PHOTOGRAPHIEREN".

Fehlende Klassenlektüre 
Der Zürcher Sekundarlehrer W. Hintermann konzipierte um 1920 die Reihe "Schweizer Jugendschriften", weil es an geeigneter Klassenlektüre fehlte. Als Herausgeber fungierte dabei das Jugendamt der Stadt Zürich. Produziert und verlegt wurden die für zwanzig Rappen erhältlichen Heftchen im aufstrebenden Hallwag-Verlag in Bern.

Nebenstehender Umschlag, der von einem unbekannten Künstler gestaltet wurde, zeigt Alfred de Quervain (1879-1927) in markanter Pose in seinem eigens für ihn angefertigten Kajak. Sein Bericht "Schweizerische Grönlandexpedition" über die Reise entlang der Westküste sowie die Durchquerung des grönländischen Inlandeises im Jahr 1912 machte den Auftakt in dieser Reihe. Der Verlag lancierte aber noch mindestens eine weitere Ausgabe unter dem Titel "Jugendbücher - Schweizer Forschungsreisen". Dabei wurden mehrere Titel aus der Reihe "Schweizer Jugendschriften"  zu einem Band mit einem Umfang von etwa 150 Seiten zusammengeheftet. Neben de Quervains Reisebericht enthält diese Ausgabe auch "Meine Reise nach Abessinien" sowie "Indien" von Ulrich Kollbrunner. Dieser weitgereiste Schulmann veröffentlichte später auch noch Berichte von seinen Fahrten nach Sumatra, den Philippinen und nach Südchina. 

Das Schweizerische Jugendschriftenwerk
Das bis heute bestehende Schweizerische Jugendschriftwerk  (SJW) wurde 1931 von Lehrern gegründet, um "guten" Lesestoff zu vermitteln. Ihr Kampf galt nämlich der "Schmutz- und Schundliteratur" in Form von Heftchen, die als Serien konzipiert ("John King's Erinnerungen", "Frank Allan, der Rächer der Enterbten") und meist deutschen Ursprungs waren. Der "lenkenden Hand", d.h. der Kontrolle von Behörden, Lehrern und Eltern, waren sie entzogen, weil sie von Tabakhändlern, Coiffeuren, Bademeistern, aber auch von Schülern und Eltern vertrieben, weitergereicht oder getauscht wurden. 1926 war in Deutschland das "Gesetz zur Bewahrung der Jugend vor Schund- und Schmutzschriften" in Kraft getreten und die Folge war, dass die Verleger den Absatz ihrer Erzeugnisse in die Schweiz verlegten. Ihre Sprache war zwar schlicht, doch inhaltlich konnten sie kaum beanstandet werden: Die Titelhelden standen stets im Kampf gegen das Böse in der Welt und Erotisches wurde kaum tangiert. Doch Titel ("Das Frauenhaus in Kairo", "Die Dame mit dem Leberfleck") und Umschläge waren reisserisch aufgemacht.

Als ein ertappter Zürcher Sekundarschüler auf Anhieb 48 Titel von solch "untergeistigen" Heften auswendig niederschreiben konnte ("In den Händen der Thugs" oder "Die vier Masken" etc.), war das Entsetzen in der Lehrerschaft gross; sie war an einem klassischen Literaturkanon geschult worden. "Vater und Mutter lesen auch, die Mutter raucht dazu", rechtfertigte ein anderer Knabe sein Treiben. Mittels einer gross angelegten Schülerbefragung in der Stadt Zürich wurde darauf die Sache genauestens untersucht und die Ergebnisse öffentlich gemacht; die "alte Tante", die Neue Zürcher Zeitung, bot das Sprachrohr dazu.

Das Schweizerischen Jugendschriftenwerk will "gute, zeitgemässe und preiswerte Literatur in den vier Landessprachen anbieten" (Website). Für Schweizer Verhältnisse werden hohe Auflagen erzielt (bis 20'000 Exemplare) und bis heute sind gegen 50 Millionen Exemplare abgesetzt worden. Ermöglicht wird das durch eine einfache und effiziente Absatzorganisation mit regionalen Vertriebsleitern und durch "Lehrpersonen".

Die Mission des SJW galt damals allerdings nicht allein der Verbreitung von Werten und Tugenden. Es ging auch um ökonomische Interessen: Schweizer Verlage, Buchhändler, Drucker, Schriftsteller und Illustratoren fühlten sich von der ausländischen Konkurrenz bedroht, worauf sie nach Wegen suchten, sich dagegen zu behaupten. Felix Moeschlin (1882-1969), Autor und Präsident des Schweizerischen Schriftstellerverbandes, stellte anlässlich der Gründung des Schweizerischen Jugendschriftenwerkes Kapital zur Verfügung; mit der Auflage, dass in den Publikationen des SJW Schweizer Autoren der Vorrang eingeräumt werden müsse. Kinder und Jugendliche waren von den Verlagen als Zielpublikum noch kaum erkannt worden und von Lehrern und von anderer Seite wurde beklagt, dass für Kinder und Jugendliche kaum adäquate Lektüre zur Verfügung stehe. Spannend und unterhaltend sollte sie sein. Es mangelte auch an praktischen Anleitungen, um Beobachtungen vor der Haustür oder Experimente mit einfachen Mitteln durchführen zu können. Auch gab es noch kein flächendeckendes Bibliotheksnetz, wie das heute als eine Selbstverständlichkeit betrachtet wird.

SJW-Heft Nr. 336 (ca. 1950)
Im Kampf gegen "Schund- und Schmutzliteratur"
"Anziehende, farbig gediegene Titelbilder von Heften sollten im Kampf gegen die schreienden Umschlagzeichnungen der Schundschriften obsiegen", lautete die anonym ausgegebene Devise in einem Beitrag zum 20-Jahr-Jubiläum des SJW in der Schweizerischen Lehrerinnenzeitung. Dass es an Dramatik auf den Umschlägen der SJW-Hefte nicht mangelte, sie es mit den kritisierten "Schundschriften" durchaus aufnehmen konnten, belegt nebenstehende Umschlagillustration. Sie zeigt den Moment, als am 25. Mai 1928 das Luftschiff Nobile unter dem Kommando Umberto Nobiles im arktischen Packeis havarierte. Schwerverletzt überlebten Nobile und ein Teil seiner Mannschaft. Während das Luftschiff und der Rest der Mannschaft verschollen blieben, konnten der commandante und ein Teil seiner Leute nach aufwendigen Suchaktionen von einem russischen Eisbrecher gerettet werden. Dass diese Umschlagillustrationen eine mächtige Fasziniation auf die jungen Leser ausüben musste, weil die Bildsprache suggestiv gehalten war, soll durch weitere Beispiele belegt werden.

SJW-Heft Nr. 353 (1950)
Wüsste man nicht, dass das Unternehmen des schwedischen Ingenieurs Salomon August Andrée in einer Tragödie geendet hatte, liesse sich die nebenstehende Szene auch als ein Bühnenbild in einem Stück mit dem Titel "Arktische Spiele" lesen. Mit zwei Begleitern trat Andrée im Sommer 1897 von Spitzbergen aus die Fahrt in einem wasserstoffgefüllten Ballon zum Nordpol an. Allerdings strandete der Ballon bereits nach etwas mehr als 60 Stunden auf dem Packeis. Die Technik hatte sich als völlig unzulänglich erwiesen. Den drei gelang es, sich der am weistesten im Osten gelegenen Insel des Spitzbergen-Archipels, nach Kvitøya, zu retten. Drei Dekaden später entdeckte man dort ihre Leichen, zusammen mit Teilen ihrer Ausrüstung. Fotoplatten waren auch darunter, die entwickelt werden konnten. In feinstem Korn waren darauf die Stationen ihres Leidenswegs festgehalten. Andrée hatte einen halsbrecherischen Versuch gewagt und war in Ehren untergegangen - Das war der Stoff, der junge und alte armchair explorer damals fesselte. 

SJW-Heft Nr. 305 (1948)
Vor Augen halten muss man sich auch, dass mehrfarbige Abbildungen damals viel weniger häufig waren als heute. Der "visuelle Alltag" in Druckerzeugnissen war weitgehend in Grautönen gehalten, während heute schwarzweisse Abbildungen Exklusivität vermittelt. Die Herstellung von Farbdrucken war damals mit einem grossen drucktechnischen Aufwand verbunden und deshalb kamen sie nur in Massenauflagen oder in teuren Druckerzeugnissen in Frage. Stets wiesen die SJW-Hefte einen Umfang von 32 Seiten auf; das entsprach zwei Druckbogen und trug ebenfalls zur kostengünstigen Produktion bei.

Auch Scotts und Amundsens Duell um den Südpol 1911/12 bot Spannung. Mit Hunden war der hartgesottene Profi Amundsen dorthin und zurück an die Küste fast "geflogen". Währendessen rackerten sich Scott und seine Leute mit Motorschlitten und Ponys ab. Die Schlitten schliesslich selbst ziehend, nahmen er und seine Crew ein schauerliches Ende. Trotz des Misserfolgs des Unternehmens, wurde es von der Presse in England zur Heldentat hochstilisiert. Willi Schnabel, der diesen Umschlag gestaltete, illustrierte insgesamt mehr als drei Dutzend SJW-Hefte.

SJW-Heft Nr. 11
Vergleicht man den rechts abgebildeten Umschlag aus dem Jahr 1932 mit untenstehender Abbildung vom 614. Heft, das um 1960 veröffentlicht wurde, so zeigt sich, dass sich der künstlerische (und inhaltliche) Anspruch im Lauf der Zeit offensichtlich veränderte. Während sich die ersten Hefte des Schweizerischen Jugendschriftenwerks neben der inkriminierten Konkurrenz mit ihren spannungsverheissenden Skandalgeschichten zu behaupten hatten, so scheint an Stelle des ursprünglichen Furors eine gewisse Gelassenheit getreten zu sein. Künstlerisch anspruchsvollere Illustrationen und Inhalte konnten produziert werden. Dies mag auch in veränderten personellen Konstellationen im Vorstand und in der Verlagsleitung in Zusammenhang stehen. Sicher aber damit, dass sich das SJW, das inzwischen eine breite Unterstützung in der Lehrerschaft und bei den Behörden genoss, sich zu einem "sicheren Wert" entwickelt hatte.

SJW 614 (ca. 1960)
Der Umschlag des nebenstehenden Hefts wurde vom 1929 geborenen Grafiker und Fotografen Leonardo Bezzola geschaffen. Augenfällig ist das technische Arsenal. Während auf der Illustration des knapp zwanzig Jahre früher erschienenen Hefts ein monstöses Walross die Szenerie dominiert, sind Tiere hier nur noch Staffage. Im Mittelpunkt steht ein konzentriert am Theodolit arbeitender Forscher. Und wie hatte sich in der Zwischenzeit die Erforschung der Polargebiete verändert! Mit der Traversierung des Nordpols im Flugzeug im Jahr 1926 war Richard Evelyn Byrd, der hier dargestellt ist, seinem Rivalen Amundsen zwei Tage früher zuvorgekommen. Drei Jahre später überflog Byrd als Erster auch den Südpol. Nach dem Krieg, und inzwischen zum Admiral befördert, unterstand Byrd 1946 die bisher grösste Expedition in die Antarktis. 4'700 Mann und 13 Schiffe kamen zum Einsatz. Dabei wurden 200'000 km2 Landfläche aufgenommen und fast 2'500 km Küstenlinie fotografiert und kartiert. Dies erforderte eine militärisch straff organisierte Planung und Durchführung, deren rationaler Geist Bezzola hier zum Ausdruck gebracht hat.

Literatur und Quellen
Běhounek, Frantisek: Schiffbruch im Luftmeer. Nacherzählt von Fritz Rutishauser nach dem Buche „Sieben Wochen auf der Eisscholle“, Verlag Brockhaus, Leipzig. Umschlag und Zeichnungen von Hans Ritter. Zürich o.J. (ca. 1950). SJW-Heft Nr. 336
Bezzola, Leonardo. Biographische Angaben http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D27192.php
Bracher, Hans: Die Eroberer des Südpols. Umschlag und Bilder von Willi Schnabel. Zürich 1948. SJW-Heft Nr. 305
- Vom Nordpol zum Südpol. Erlebnisse des Fliegeradmirals Richard Evely Byrd. Nach seinen autobiographischen Büchern dargestellt. Umschlagbild und Zeichnungen von Leonardo Bezzola. Zürich o.J. (ca. 1960). SJW-Heft Nr. 614
Brunner, Fritz: Fünfzig Jahre Schweizerisches Jugendschriftenwerk (SJW) 1931-1981. Zürich 1981
Erhalten wir es so! (1950/51). Zwanzig Jahre Schweizerisches Jugendschriftenwerk. Nicht gezeichneter Artikel in: Schweizerische Lehrerinnenzeitung. Bd. 55, S. 299
Heusser, Hans: Im Ballon zum Nordpol. Nach Zeitungsberichten und dem Buche „33 Jahre verschollen im Packeis“, von Adrian Mohr, Carsten Borchgrevink, Tryggve Gran, G.V.E. Svedenborg und Otto Sverdrup bearbeitet. Umschlag und Innenbilder von Hans Ritter. Zürich 1950. (=SJW Nr. 353)
Jünger, Ernst (1978): Das abenteuerliche Herz. Sämtliche Werke, Band 9. Stuttgart
Kiesel, Helmuth (2007): Ernst Jünger. Die Biographie. München
Lavater-Sloman, Mary: Nansens Kampf im treibenden Eis des Nordpols. Umschlagbild und Zeichnungen von Werner Hofmann. Zürich 1967. SJW-Heft Nr. 931, 2. Auflage
Linsmayer, Charles: "Ein geistiges Rütli für die Schweizer Jugend." 75 Jahre SJW Schweizerisches Jugendschriftenwerk. Zürich 2007. SJW-Heft Nr. 2279
Moeschlin, Felix. Biographische Angaben http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D6523.php
Quervain, Alfred de: Schweizerische Grönlandexpedition. Bern o.J. (um 1922). Jugendbücher / Schweizer Forschungsreisen
Schweizerisches Jugendschriftenwerk. Website http://www.sjw.ch/
Wartenweiler, Fritz: Fridtjof Nansen 1861-1930. Ein Held des Friedens. 1. Teil: "Vorwärts" (Fram) zum Nordpol. Umschlag und Zeichnungen von Walter Binder. Zürich 1950. SJW-Heft Nr. 11, 5. Auflage

Die Abbildungen der SJW-Hefte Nr. 305, 336 und 353 stammen aus den Beständen der Forschungsbibliothek Pestalozzianum (Zürich) http://www.phzh.ch/de/Forschung/Forschungsbibliothek-Pestalozzianum/

Weitere Kinder- und Jugendbücher
Gardi, René: Fische, die ertrinken. Umschlagbild von Willi Schnabel. Zürich o.J. (1954). SJW-Heft Nr. 489
- Von Lappen und Rentieren. Mit Bildern vom Verfasser. Zürich o.J. (1955). SJW-Heft Nr. 522)
Hiltbrunner, Hermann: Ein schweizerischer Robinson auf Spitzbergen. Die Erlebnisse vier Schiffbrüchiger in der Polarnacht. Zürich 1926
- Neuauflage. Bern 1959. Diese Ausgabe weicht inhaltlich von der Erstveröffentlichung ab.
Schmid, Heiri und Jürg Lendenmann: Globi und der Polarforscher. Zürich 2008

Nansen trifft 1896 auf Franz-Joseph-Land auf F.G. Jackson. Ill.: Werner Hoffmann  (SJW 931)


 

Dienstag, 12. November 2013

Sozialismus tiefgekühlt, von Urs Mannhart

Die Sowjetunion ist untergegangen. Doch im sibirischen Dorf Dikson lebt sie einfach weiter. Der 1975 geborene Schweizer Schriftsteller schreibt im 12. Heft der Zeitschrift "Reportagen" vom August 2013 über die nach einem amerikanischen Sponsor Erik Adolf Nordenskiölds benannte Siedlung bzw. Insel in der russischen Karasee.

Für 2 Franken kann der Artikel hier als PDF heruntergeladen werden:
http://www.reportagen.com/content/sozialismus-tiefgek%C3%BChlt

Dienstag, 5. November 2013

Fliegende Kissen, von Peter Balwin

Langsam aber sicher wird's auch in Mitteleuropa kühler. Da kann die Frage aufkommen, was unter diesen Umständen hervorragend vor Kälte schützt: die Daunen von Eiderenten.

Über Brutpflege, das Verhalten sowie über Freund und Feind dieser Tiere hat der Ornithologe und Arktis- und Antarktiskenner Peter Balwin in der aktuellen Ausgabe der "Polarnews" den lesenswerten Aufsatz "Fliegende Kissen veröffentlicht.
   
http://www.polarnews.ch/polarnews-magazin/polarnews-lesen/622-polarnews-18-oktober-2013

Und noch eine Anekdote zum Thema: In einer "Hytte" in der winterlichen Finnmark traf ich vor ein parr Jahren einen alten Bekannten. Der Junglehrer erzählte mir, dass er im Sommer zuvor auf Spitzbergen gewesen sei. Erfreut, ein gemeinsames Gesprächsthema gefunden zu haben, erkundigte ich mich bei ihm, was denn der Anlass zur Reise gewesen sei. Einen Job habe er dort gehabt, das Sammeln von Eiderdaunen. Von den Behörden alles höchst streng reglementiert natürlich, auch eine Flinte musste stets mitgeführt werden. Eines Tages, da habe er wieder Daunen aus einem Nest gepflückt. Und als er fertig gewesen sei und um sich geschaut habe, da sei ein Eisbär noch in sechs Meter Entferung von ihm gewesen. Auch der Eisbär überlebte diese Begegnung. Aufgewühlt schloss er den Bericht mit den Worten ab: Nie mehr im Leben werde er einen solchen Job annehmen!